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Kommentar Herabstufung Frankreichs Merkel und die Zweitligisten

Kommentar von

Rudolf Balmer

Frankreich gehört nicht mehr zu den Stärksten und Tugendhaften. Das wird auch Konsequenzen für das Verhältnis zu Deutschland haben.

N iemand ist wirklich überrascht. Dennoch war die Herabstufung Frankreichs durch Standard & Poors ein Schock. Seither bemühen sich die Sprecher der Regierungspartei UMP und an ihrer Spitze Premierminister François Fillon, die ökonomische, politische und vor allem symbolische Bedeutung dieser Verbannung Frankreichs in die Zweite Liga zu verharmlosen.

Betroffen vom "Downrating" der zweiten Wirtschaftsmacht in Europa sind auch das deutsch-französische Verhältnis und die gemeinsame Führung der Union. Die internen Kräfteverhältnisse sind ins Rutschen geraten.

Was sich hinter den Kulissen schon beim G-20-Gipfel in Cannes abzeichnet hat, wird für jeden sichtbar: Frankreich gehört nicht mehr zu den Stärksten und Tugendhaften, sondern zu den Zweitklassigen, die Sarkozy selbst herablassend "Club Med" genannt hat.

RUDOLF BALMER

ist Frankreich-Korrespondent der taz und lebt in Paris.

Das wird sich unmittelbar auch auf das Duo mit Angela Merkel auswirken. Aus "Merkozy" wird ein "Merkel & Co". Um ein Minimum an Einfluss zu wahren, muss sich Sarkozy jetzt mit Mario Monti zusammentun. Wie erstmals in Straßburg Ende 2011 wird am Freitag in Rom die europäische Führung vom traditionellen Tandem zum Dreiergipfel erweitert.

Wie schon in der Innenpolitik wird Sarkozy auch in der EU eine fast verzweifelte, hektische Aktivität entfalten, um diese Schwäche zu überspielen. Er muss nach dieser eklatanten Niederlage, die ihm die Ratingagentur zugefügt hat, befürchten, dass seine Zeit bald abläuft. Das erklärt, dass er in der EU jetzt ständig zur Eile drängt, wie zurzeit schon bei der Einführung der Finanztransaktionssteuer. Seine Probleme mit dem Tempo vor dem nahenden Wahltermin und seine allzu magere Bilanz sind allerdings Europas geringste Sorge.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Rudolf Balmer Auslandskorrespondent Frankreich

Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009, schreibt aus Paris über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Gesellschaft, gelegentlich auch für „Die Presse“ (Wien).
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1 Kommentar

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  • PD
    Prof. Dr. Lang

    Wie kommt es, dass man das sachlich schwach begründete Rating einer auf Propaganda für US-Finazanlagen getrimmten Truppe so ernst nimmt? Deutlich wird nur die Tatsache, dass es Medien, Politik und Finanzmarktakteuren kaum ökonomischen Sachverstand gibt.