Kommentar Hamas und Fatah: Brüder für die Geberkonferenz

Fatah und Hamas bekunden guten Willen zur Zusammenarbeit. Doch der Graben zwischen den rivalisierenden palästinensischen Parteien bleibt tief.

Echte Versöhnung sieht anders aus. Auch wenn die rivalisierenden palästinensischen Parteien - die islamistische Hamas und die Fatah des Palästinenserpräsident Mahmud Abbas - versuchen, das Ergebnis ihrer Versöhnungskonferenz in Kairo als historischen Durchbruch zu verkaufen.

Heraus kam unter ägyptischer Vermittlung nicht viel mehr als eine Absichtserklärung: Man will einen Prozess einleiten, an dessen Ende Versöhnung und Einheitsregierung stehen. Offensichtlich war man jetzt in Kairo noch nicht so weit. Und das obwohl man sich in diesem Jahr bereits fünfmal getroffen hat. Das zeigt, wie tief der Graben wirklich ist.

Im Detail sollen am 10.März fünf Arbeitsgruppen gebildet werden. Die wichtigste davon soll an der Schaffung einer Einheitsregierung arbeiten, die bis Ende März stehen soll. Außerdem sollen Wahlen vorbereitet und Konzepte entworfen werden, wie die Kämpfer beider Parteien in einen einheitlichen Sicherheitsapparat integriert werden können. Die beiden Palästinenserführungen stehen unter enormem Druck.

Am Montag findet ebenfalls in Ägypten eine große internationale Geberkonferenz für den Wiederaufbau des Gazastreifens statt. Die Palästinenser hoffen auch 2,8 Milliarden Dollar Wiederaufbauhilfe. Aber die internationalen Geber zögern, zu zahlen, solange die Hamas in Gaza die Alleinherrscherin bleibt. Eine gemeinsame palästinensische Regierung ist der Schlüssel für den Wiederaufbau.

Nun haben die palästinensischen Parteien zumindest ihren guten Willen kundgetan. Was aber, wenn die neue US-Regierung unter Barack Obama Ernst macht und tatsächlich die Nahost-Verhandlungen neu auflegen will? Auf israelischer Seite steht ein unwilliger Benjamin Netanjahu, auf palästinensischer ein Mahmud Abbas als der Provinzgouverneur vom Westjordanland und die Hamas als Verwalterin des zerstörten Freiluftgefängnisses Gaza.

Die Bildung einer Einheitsregierung ist im Moment die wichtigste palästinensische Hausaufgabe. Ob daraus etwas wird, kann derzeit niemand sagen.

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Karim El-Gawhary arbeitet seit fast drei Jahrzehnten als Nahost-Korrespondent der taz mit Sitz in Kairo und bereist von dort regelmäßig die gesamte Arabische Welt. Daneben leitet er seit 2004 das ORF-Fernseh- und Radiostudio in Kairo. 2011 erhielt er den Concordia-Journalistenpreis für seine Berichterstattung über die Revolutionen in Tunesien und Ägypten, 2013 wurde er von den österreichischen Chefredakteuren zum Journalisten des Jahres gewählt. 2018 erhielt er den österreichischen Axel-Corti-Preis für Erwachensenenbildung: Er hat vier Bücher beim Verlag Kremayr&Scheriau veröffentlicht. Alltag auf Arabisch (Wien 2008) Tagebuch der Arabischen Revolution (Wien 2011) Frauenpower auf Arabisch (Wien 2013) Auf der Flucht (Wien 2015)

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