Kommentar Gespräche USA und Iran: Der Feind meines Feindes …

Die bisherigen Erzfeinde USA und Iran haben einen neuen gemeinsamen Gegner: Isis. Noch zögert Obama zu kooperieren, aber er sollte sich öffnen.

Die Isis-Kämpfer im Irak verändern die Perspektive – von den USA und vom Iran. Bild: ap/albaraka_news

Mehr als andere Weltgegenden haben der Nahe und Mittlere Osten wiederholt demonstriert, dass auch noch so inbrünstig beschworene Völkerfreundschaft in Abwägung der eigenen Interessen ihren Wert verlieren kann. Das Gleiche gilt für die – oft nicht minder verbissen zelebrierte – Feindschaft zwischen Staaten.

In jüngster Vergangenheit war das mehr als deutlich an den unterschiedlichen Koalitionen im Umfeld der blutigen Auseinandersetzungen in Syrien zu beobachten. Nachdem diese auf den Irak übergegriffen haben, zeichnet sich eine Koalition bisheriger Todfeinde ab. Zumindest schließt der iranische Präsident Hassan Rohani eine Kooperation mit den USA bei der Niederschlagung des sunnitischen Ansturms im Irak nicht mehr aus. Einer seiner wichtigsten Berater verbreitet über Twitter, dass nur der Iran und die USA die Krise im Irak in den Griff kriegen könnten.

So überraschend solche Erklärungen aus Teheran auch sein mögen, so nüchtern und zutreffend sind sie doch auch. Der Iran hat vom Sturz Saddam Husseins durch die USA profitiert: nicht nur, weil einer seiner gefährlichsten Nachbarn verschwand, sondern auch, weil im Irak zwar keine wahre Demokratie entstand, dort aber doch wenigstens die schiitische Mehrheit an die Macht kam. Zu deren Führern – auch zu Ministerpräsident Nuri al-Maliki – gibt es alte und sehr enge Beziehungen, und die Veränderungen im Zweistromland versprachen eine friedliche Zukunft für das Zusammenleben beider so lange verfeindeter Staaten.

Der Vormarsch des „Islamischen Staates in Irak und Syrien“ (Isis) droht genau diese Perspektive zu gefährden. Das allein reicht freilich nicht, um in Teheran plötzlich – wie am Beispiel des Beraters von Rohani zu sehen – von einem gemeinsamen Vorgehen mit den USA zu fabulieren. Solche Andeutungen und Erklärungen passen aber gut zur Strategie des Präsidenten, um die Differenzen mit dem Westen zu überbrücken. Und eine Annäherung in der Irakkrise würde sicher auch Washingtons Vertrauen in den Iran stärken und damit den Fortgang der Atomverhandlungen unterstützen.

US-Präsident Barack Obama zögert noch. Offene Kooperation mit Teheran wäre sicher ein innenpolitisches Risiko für ihn. Aber das gilt ebenso für Rohani: So hatte der Iran einst in Afghanistan dieselben Interessen wie die USA. Washington nutzte dies jedoch nicht aus, und die Hardliner auf beiden Seiten behielten die Oberhand.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de