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Kommentar Freiheit der Verleger Eine verlegerische Entscheidung

Friederike Gräff

Kommentar von

Friederike Gräff

Der Fall scheint klar zu sein: Ein Verleger knickt ein vor mutmaßlichen Islamisten, ein anderer rettet die Pressefreiheit. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

I m ersten Moment scheint alles ganz eindeutig: Hier zieht ein Verleger ein Manuskript zurück, aus Furcht vorm mutmaßlichen Zorn von Islamisten. Dann geht die Autorin an die Öffentlichkeit, ein anderer Verlag findet sich und rettet die Pressefreiheit vor dem Einknicken kleinmütiger Verleger.

So könnte man es sehen - aber es ist eben nur die halbe Wahrheit. Der viel gescholtene Düsseldorfer Verleger hatte möglicherweise Furcht, aber er hatte nach eigener Aussage auch inhaltliche Bedenken. Ihm erschien der Text ausländerfeindlich, was ein mehr als legitimer Grund ist, ein Manuskript abzulehnen. Das hat ihm Hass-Mails aus der rechten Szene eingebracht.

In Zeiten, in denen die Schalke-Hymne auf mutmaßliche Islamfeindlichkeit abgeklopft und in Berlin vorsorglich eine Opern-Aufführung abgesetzt wird, ist es einfach, Veröffentlichungen und Nicht-Veröffentlichungen in das dramatische Licht von Religionsfeindlichkeit einerseits und Aufgabe der Meinungsfreiheit andererseits zu stellen. Eine andere Frage ist, ob die Debatte um den Ehrenmord-Krimi in diese Kategorie gehört. Deutlich konstruktiver ist es, über Textqualität zu debattieren. Hier sind zwei Verlage zu unterschiedlichen Ansichten gelangt. Das kommt vor.

Eine weitere Frage wäre, warum der Angst-Diskurs so gut funktioniert.

Friederike Gräff

Friederike Gräff Redakteurin taz nord

Ausgebildet an der Deutschen Journalistenschule. Interessiert sich dafür, was Menschen antreibt, sei es in Gerichtsprozessen oder in langen Interviews. Hat ein Sachbuch übers Warten geschrieben, "Warten. Erkundungen eines ungeliebten Zustands", Chr.Links Verlag und eines übers Schlafen "Schlaf. 100 Seiten", Reclam. Im Februar 2025 ist ihr Erzählband "Frau Zilius legte ihr erstes Ei an einem Donnerstag" bei Schöffling erschienen.
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4 Kommentare

  • J
    Jabberdag

    Selbstzensur, Anbiederung an eine intolerante Religion das ist doch Normaliät in Deutschland, Schade das hier die TAZ sich auch gerade mit Ruhm bekleckert und im Einheitschor der "politisch Korrekten" singt

  • B
    bekraemer

    Ich lese ausreichend Zeitung, um zu wissen, dass es immer ein wenig "anrüchig" wirkt, wenn man sich selbst kommentiert - zumal es gar nicht nötig gewesen wäre. Der Artikel beinhaltet im Subtext bereits mehr Kommentar als ihm guttut :-).

  • O
    ole

    Hä?

    Das ist doch - nicht nur bei der taz - vollkommen üblich und normal, dass autoren, die von ihnen bearbeiteten themen auch kommentieren; völlig normal und sinnvoll. ist übrigens auch bei fast allen anderen zeitungen, tv- und radiosendern so.

    - also was ????????

  • B
    bekraemer

    Kommentieren die Autoren der taz eigentlich immer gleich ihre eigenen Artikel?