Kommentar Freiheit der Verleger: Eine verlegerische Entscheidung

Der Fall scheint klar zu sein: Ein Verleger knickt ein vor mutmaßlichen Islamisten, ein anderer rettet die Pressefreiheit. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Im ersten Moment scheint alles ganz eindeutig: Hier zieht ein Verleger ein Manuskript zurück, aus Furcht vorm mutmaßlichen Zorn von Islamisten. Dann geht die Autorin an die Öffentlichkeit, ein anderer Verlag findet sich und rettet die Pressefreiheit vor dem Einknicken kleinmütiger Verleger.

So könnte man es sehen - aber es ist eben nur die halbe Wahrheit. Der viel gescholtene Düsseldorfer Verleger hatte möglicherweise Furcht, aber er hatte nach eigener Aussage auch inhaltliche Bedenken. Ihm erschien der Text ausländerfeindlich, was ein mehr als legitimer Grund ist, ein Manuskript abzulehnen. Das hat ihm Hass-Mails aus der rechten Szene eingebracht.

In Zeiten, in denen die Schalke-Hymne auf mutmaßliche Islamfeindlichkeit abgeklopft und in Berlin vorsorglich eine Opern-Aufführung abgesetzt wird, ist es einfach, Veröffentlichungen und Nicht-Veröffentlichungen in das dramatische Licht von Religionsfeindlichkeit einerseits und Aufgabe der Meinungsfreiheit andererseits zu stellen. Eine andere Frage ist, ob die Debatte um den Ehrenmord-Krimi in diese Kategorie gehört. Deutlich konstruktiver ist es, über Textqualität zu debattieren. Hier sind zwei Verlage zu unterschiedlichen Ansichten gelangt. Das kommt vor.

Eine weitere Frage wäre, warum der Angst-Diskurs so gut funktioniert.

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