Kommentar Elbphilharmonie: Zu fair, um wahr zu sein

Das Angebot wirkt zu fair, um wahr zu sein. Das liegt vor allem daran, dass das Papier alles konkterkariert, was Hochtief bisher in puncto Elbphilharmonie geboten hat.

Es ist ein bizarres Hamburger Déjà-vu-Erlebnis: Ein strahlender Bürgermeister und eine markig redende Kultursenatorin verkünden, ein so betörendes Angebot habe Elbphilharmonie-Baukonzern Hochtief noch nie gemacht und jetzt werde alles gut. Abgesehen davon, dass es Happy Ends nur im Märchen gibt, wirkt das Angebot in der Tat zu fair, um wahr zu sein.

Das liegt vor allem daran, dass dieses Papier so ziemlich alles konterkariert, was Hochtief bisher in puncto Elbphilharmonie bot. Da gab es gebrochene Versprechen, Verzögerungen und kleinteilige Rechtshändel, an denen die Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS nichts geändert hat.

Auch die Taktik, in letzter Minute Teil-Zugeständnisse zu machen, um Sanktionen zu verhindern, ist nicht neu. Und jetzt also diese totale Verantwortungsübernahme: Sie ergibt weder psychologisch noch dramaturgisch Sinn, und logisch ist diese Wende auch nicht.

Petra Schellen ist Redakteurin bei taz Nord.

Denn an sich galt als ausgemacht, dass die Kündigung Hochtief billiger käme als der Weiterbau. Warum Hochtief jetzt darum bettelt, bauen zu dürfen, ist – jenseits des Geld-Inputs – nicht erklärlich.

Reputation als Motiv scheidet auch aus. Denn dass sich der Konzern in Sachen Elbphilharmonie nicht ums Image schert, hat er oft bewiesen. Steht also zu befürchten, dass dies eine neue Hinhalte-Variante ist. Und dass die Hochtief-Manager einen so weitreichenden Vertrag niemals unterzeichnen werden.

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Seit 2000 Redakteurin der taz am Standort Hamburg. Schwerpunkte: Kultur und -politik, Drittes Reich, Judentum, Religion allgemein.

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