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Kommentar EZB-Zinssenkung Die Krise ist da - nichts geschieht

Ulrike Herrmann

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Ulrike Herrmann

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins auf 2,0 Prozent gesenkt. Mit dieser Vorsicht erreicht die Bank gar nichts.

W orauf wartet die Europäische Zentralbank noch? Am Donnerstag hat sie wieder einmal eine ihrer vorsichtigen Entscheidungen getroffen und den Leitzins auf nunmehr 2,0 Prozent gesenkt. Das klingt sehr niedrig und ist dennoch weltweites Rekordniveau: Die USA, die Schweiz und Japan sind schon bei faktischen Nullzinsen angelangt, und in Großbritannien liegt der Leitzins auch nur noch bei 1,5 Prozent. Da hätte die Europäische Zentralbank ruhig mutiger sein können.

Ulrike Herrmann ist finanzpolitische Korrespondentin der taz.

Mit ihrer Vorsicht erreicht die Bank jedenfalls gar nichts - außer die Spekulationen zu nähren, dass sie demnächst die Zinsen erneut ein bisschen senken dürfte. Längst erwartet der Markt, dass auch die Euro-Zone irgendwann bei Null-Zinsen landet. Warum also nicht gleich?

Offenbar fürchtet die Bank, dass sie jede Handlungsfähigkeit verliert, wenn sie die Zinsen zu stark senkt. Denn bekanntlich können Zinsen nicht unter null fallen. Und so steckt die Zentralbank in einem Dilemma: Reduziert sie die Zinsen ein wenig, bewirkt sie nichts. Wagt sie gleich die Null, ist sie fortan machtlos. Sie könnte dann nur noch, wie es in den USA ja schon geschieht, zu völlig unorthodoxen Methoden greifen - und zum Beispiel den Banken ihre Schrottpapiere abnehmen.

Anders formuliert: Gerade die Vorsicht der Europäischen Zentralbank zeigt, dass die Geldpolitik inzwischen machtlos ist. Nur mit Zinssenkungen allein lässt sich die Wirtschaft nicht mehr stimulieren. Es bleibt allein die Fiskalpolitik, auch "Konjunkturpaket" genannt. Deswegen ist es ja so tragisch, dass die große Koalition nun schon das zweite Konjunkturpaket völlig falsch konzipiert hat. Zwar werden Milliarden ausgegeben, aber eben auch Milliarden verschwendet - zum Beispiel für Steuersenkungen oder Abwrackprämien. Niemand behauptet ernsthaft, dass diese die Wirtschaft nennenswert beleben können.

Derweil verschärft sich die Rezession. Es ist unerfreulich zu wissen, dass der Staat jetzt hilflos ist. Die Zinsen können kaum noch fallen - und die Schulden sind auch schon gemacht. Leider für viel Blödsinn.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Ulrike Herrmann

Ulrike Herrmann Wirtschaftsredakteurin

Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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2 Kommentare

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  • H
    hto

    "Die Krise ist da - nichts geschieht" - kein Wunder, denn es ist keine Krise, es ist ein systemrationales Symptom, welches die gebildete Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche ...!?

  • A
    Amos

    Tja, mit dem Kapital ist das mittlerweile so'ne

    Sache. Und was machen jetzt eigentlich dessen

    politische Mariontetten, wenn keiner mehr an ihren

    Fäden zieht? Die ganze Zeit hat das Kapital sie

    gelenkt und scheinbar wissen sie selber jetzt nichts

    mehr. Da wird wohl der Kleinbürger demnächst wieder

    mündig. Dann zählen auch wieder die Kleinen Pfeifen

    und nicht nur die großen.