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Kommentar Die Raucherecke Fenster zu im Bundestag

Kommentar von

Steffen Grimberg

Sie suchen eine letzten Raucher-Bastion? Besuchen Sie den Deutschen Bundestag. Besser gesagt "Besucher-Warteraum". Und nicht vergessen: Fenster zu!

Dass es keinem Berliner Gastwirt - und dem Gast schon gar nicht - zugemutet werden darf, auf dem Weg zum Klo auch nur ansatzweise den Raucherraum zu streifen, hat sich an dieser Stelle ja schon mehrfach herumgesprochen.

Doch andere öffentliche Orte in der Hauptstadt zeigen, dass es auch ganz anders geht. Der Deutsche Bundestag zum Beispiel. Da wird unter der noblen Adresse Unter den Linden 50 - hier haben die Volksvertreter ihre Büros und werden in selbigen auch gelegentlich vom Volk, der Presse oder wenigstens ein paar Lobbyisten heimgesucht - ein munteres Doppelleben geführt: Wer an der Pforte läutet, findet sich erstmal im "Besucher-Warteraum Deutscher Bundestag" wieder, bis Abholung kommt. Wäre ja noch schöner, wenn das Volk allein bei seinen VolksvertreterInnen rumbaselt. Ist auch viel sicherer. Aber nicht gesünder.

Denn der "Besucher-Warteraum", mit breiter Glasfront zu den Linden hin gelegen, ist auch gleichzeitig Raucherraum. Das belegen überquellende Ascher, die wenig dezente Dunstglocke, und - wir sind schließlich in einem amtlichen Gebäude - zur Sicherheit noch ein amtliches Schild: "Die Nutzung dieses Raums als vorläufiger Raucherraum ist nur unter folgenden Maßgaben zulässig", heißt es da. "Die Lüftung des Raucherraums erfolgt ausschließlich über die Fenster", haben der Bundestag respektive seine Verwaltung beschlossen. Und: "Die Lüftung über die Fenster soll in Form von Stoßlüftungen erfolgen. Wird der Raum nach 16 Uhr genutzt, sind die Fenster bei Verlassen des Raums zu schließen." Das Nähere regelt wahrscheinlich demnächst ein Bundesgesetz.

Echte Parlamentarier dürfen auch im nahe gelegenen Jakob-Kaiser-Haus schmauchen - in einem ob dieser Sonderrolle aus dem Verkehr gezogen Sitzungsraum. Dort, wird berichtet, trauen sich auch mal Handwerker oder das Reinigungspersonal zur Zigarettenpause rein, was den Volksvertretern unschätzbaren Direktkontakt mit Teilen des rauchenden Souveräns beschert. Der gehobene Dienst, sagt einer, der es wissen muss, bringe sich dagegen lieber in der noblen Parlamentarischen Gesellschaft im ehemaligen Reichspräsidentenparlais um seine Gesundheit.

Normalbürgern sei derweil der "Besucher-Warteraum", Dienstgebäude Unter den Linden 50, empfohlen. Zigarettenautomat vorhanden, Bier ist mitzubringen. Und nicht vergessen: Nach 16 Uhr Fenster zu!

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