Kommentar Deutsche Bank steigt bei Postbank ein: Der wahre Bankenwettbewerb

In Deutschland herrscht noch der vielgepriesene Wettbewerb unter den Banken. Der Grund: die starke Stellung der kommunalen Sparkassen. Die Politik sollten alles tun, damit das so bleibt.

Die Postbank wird an die Deutsche Bank verkauft. Das Bundesfinanzministerium hat schon verlauten lassen, dass es von seiner Seite aus kein Veto dagegen gibt. Die Herrschaft über Deutschlands größter Privatkundenbank bleibt also im Lande, sie geht nicht an einen der ausländischen Interessenten. Ist der deutsche Markt zu abgeschottet? Das werden jetzt wieder manche beklagen. Aber wenn man den Aussagen der beteiligten Akteure trauen kann, war keine politische Einflussnahme im Spiel - es war eine Frage des Preises. Wenn ein ausländisches Geldinstitut wirklich will, kann es auch die Postbank kaufen. Allein: So groß wollten Banken aus anderen Ländern offensichtlich doch nicht in Deutschland einsteigen.

Wird daraus deutlich, dass mit den Privatkunden hierzulande zu wenig Gewinn zu machen ist? Auch das wird jetzt wieder beklagt werden. Dieses Gejammer sollten ebenjene Privatkunden mit Genuss hören. Es bedeutet ja, dass sie nicht, wie in anderen Ländern üblich, von einigen wenigen, riesigen Aktienbanken gemolken werden, sondern dass auf dem Bankensektor in Deutschland noch der viel gepriesene Wettbewerb herrscht. Man nennt es auch Marktwirtschaft.

Bestimmend für den Wettbewerb unter Deutschlands Banken ist, dass es hier die kommunalen Sparkassen und die Genossenschaftsbanken mit einem Marktanteil von 40 beziehungsweise gut 20 Prozent gibt. Aufgabe der Politik wäre es, diese günstige Situation zu erhalten. Doch gerade von der Politik droht Gefahr: In Brüssel setzen EU-Lobbyisten der Großbanken dazu an, den Schutz der Sparkassen zu unterminieren. Und in den Bundesländern ändert man Gesetze, damit die Gemeinden Sparkassen versilbern können.

Nun haben gerade die Manager des Sparkassensektors in letzter Zeit viel Geld mit Spekulationsgeschäften verloren. Die Notwendigkeit öffentlichen Eigentums an diesen Banken stellt das aber nicht infrage. Denn was einmal verkauft ist, verschwindet weitgehend aus dem Einflussbereich der Politik - und damit der Kunden. Hier sollten sich die Finanzpolitiker starkmachen, damit kommunale und regionale, also die wahren Alternativen zu den weltweiten Großbanken bestehen bleiben.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Reiner Metzger, geboren 1964, leitet taz am Wochenende zusammen mit Felix Zimmermann. In den Bereichen Politik, Gesellschaft und Sachkunde werden die Themen der vergangenen Woche analysiert und die Themen der kommenden Woche für die Leser idealerweise so vorbereitet, dass sie schon mal wissen, was an Wichtigem auf sie zukommt. Oder einfach Liebens-, Hassens- und Bedenkenswertes gedruckt. Von 2004 bis 2014 war er in der taz-Chefredaktion.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben