Kommentar Berlusconis Hochschulpolitik: Ineffizient und teuer

Italien wendet zu wenig Geld für seine Unis auf, und das wird dann ineffizient eingesetzt - Reformen sind nötig. Dumm nur, dass Berlusconi zu den falschen Maßnahmen greift.

Oft genug von hoher Qualität und doch zugleich im internationalen Vergleich völlig unattraktiv: Auf diese kurze Formel lässt sich das Drama der italienischen Universitäten bringen. "Barone" heißen die Ordinarien im gemeinen Sprachgebrauch - und in der Tat geht es an den Unis feudal zu, zählen meist weniger die wissenschaftlichen Meriten als die Zugehörigkeit zur Seilschaft eines "Barons".

Verschärft wurde diese Situation durch jahrelanges Sparen. Italien wendet zu wenig Geld für seine Unis auf, und dieses wenige Geld wird dann ineffizient eingesetzt. Das Ergebnis: Die Universitäten und Hochschulen sind teuer für die Studenten und unattraktiv für die Lehrenden vor allem aus dem Nachwuchs.

Reformbedarf bestünde also genug. Doch der Baronatsuniversität rückt die Regierung Berlusconi ebenso wenig zu Leibe, wie sie die chronische Mittelknappheit behebt. Stattdessen werden jetzt dem Mittelbau der Assistenten neue Vertragsformen beschert, die es so zwar weltweit gibt, Zeitverträge für den Nachwuchs, die aber in Italien angesichts fehlender Zukunftsperspektiven schlicht darauf hinauslaufen, bloß eine neue Abteilung des Prekariats zu schaffen.

Heute gehen die Betroffenen den Weg des Protests. Morgen werden sie erneut jenen Weg einschlagen, den schon Tausende vor ihnen gingen: die Abwanderung ins Ausland. Dies nämlich ist das paradoxe Ergebnis der auch mit der neuen Reform fortgesetzten Sparerei.

Italien leistet sich den Luxus, tausende Wissenschaftler auszubilden, die dann auswärts forschen, weil es für sie zu Hause keine Verwendung gibt. Mit wissenschaftlichem Austausch hat dieser nun erneut forcierte Einbahnstraßenverkehr nichts zu tun - sondern eher schon mit klassischem Braindrain, wie wir ihn aus Drittwelt-Ländern kennen.

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Promovierter Politologe, 1985-1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Unis Duisburg und Essen, seit 1996 als Journalist in Rom, seit 2000 taz-Korrespondent, daneben tätig für deutsche Rundfunkanstalten, das italienische Wochenmagazin „Internazionale“ und als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Büro Rom der Friedrich-Ebert-Stiftung.

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