piwik no script img

Kommentar Bangladesch Spielball der Parteien

Lalon Sander

Kommentar von

Lalon Sander

Es ist überraschend, dass die Islamisten soviele Menschen auf die Straße bringen konnten. Doch, dass sie in naher Zukunft die Macht übernehmen, ist unwahrscheinlich.

D ie Bilder der Islamisten-Demonstration in Bangladesch sind beeindruckend; dass die Islamisten so viele Menschen mobilisieren können, war eine der Überraschungen der vergangenen Wochen. Aber trotz der kämpferischen Rhetorik ist es unwahrscheinlich, dass Islamisten in naher Zukunft die Macht übernehmen.

Die Eliten des Landes leben in den Städten. Sie leben einen moderaten Islam und sind häufig in ihrer Bildung vom Westen geprägt. Frauen sind selbstbewusste Teile der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft.

Und dennoch: Die Zahl der Islamisten in Bangladesch steigt. Das Land leistet sich kaum Sozialprogramme; so sind Koranschulen für viele der Ärmsten ein guter Ort, um Kinder unterzubringen. Hier rekrutieren die islamistischen Parteien, allen voran die Jamaat-e-Islami (JI), die seit einigen Jahren auch angefangen hat, Studierende in den Privatunis anzusprechen.

Lalon Sander

ist Redakteur bei taz.de.

Und so erklären sich für viele in Dhaka auch die riesigen Menschenmengen bei den Demos: Sie müssen wohl herbeigefahren worden sein.

Die Hefajat-e-Islam (HI) füllt derzeit eine Lücke, die die Jamaat-e-Islami hinterlassen hat, nachdem drei ihrer Politiker als Kriegsverbrecher verurteilt wurden.

Aber vermutlich ist die HI, von der viele Menschen erst vor wenigen Wochen gehört haben, nur ein Spielball der zwei Volksparteien im Wahlkampf. Die konservative BNP, die lange mit JI koalierte, will weiterhin die gläubige Bevölkerung auf dem Land ansprechen.

Und auch die regierende Mitte-links-Partei Awami-Liga scheint die HI zumindest tolerieren zu wollen: Die Demonstration wurde immerhin genehmigt – ein Recht, das Oppositionsparteien nur selten gewährt wird. Ihr nützt wohl die Gewalt, die die Islamisten regelmäßig ausüben, um sich selbst als moderate Alternative anzubieten.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Lalon Sander

Lalon Sander Datenjournalist

Lalon Sander ist Datenjournalist. Sein Schwerpunkt liegt in der Aufbereitung von Datensätzen zum Klimawandel.
Mehr zum Thema

0 Kommentare