Kommentar Babyklappen-Konkurrenz : Hilfe im Wettbewerb
Es geht hier um die Konkurrenz zweier Hilfssysteme: Der Verein Sternipark betreibt in Hamburg auch Babyklappen. Hier werden die Kinder nicht gleich dem Amt gemeldet, was dem Träger heftige Kritik der Behörde einbrachte.
E in Appell der zu Herzen geht: Die Hamburger Sozialbehörde fordert eine Mutter, die ihr Baby anonym zur Welt brachte und in einer städtischen Babyklappe abgab, über die Medien auf, sich zu melden. Man werde ihr alle erdenklichen Hilfen vermitteln. Eine Story, die gut ausgehen könnte, oder auch schlecht.
Es geht hier um die Konkurrenz zweier Hilfssysteme: Der Verein Sternipark betreibt in Hamburg auch Babyklappen. Hier werden die Kinder nicht gleich dem Amt gemeldet, was dem Träger heftige Kritik der Behörde einbrachte. Aber im vergangen Jahr holte in drei von vier Fällen die Mutter ihr Kind später zu sich. Seltener gelingt dies bei den Babyklappen der Krankenhäuser, die das Jugendamt gleich mit einbeziehen.
Im Streit um den richtigen Weg gibt es eine argumentative Patt-Situation. Der öffentliche Aufruf des Sozialsenators ist sicher darauf abgezielt, konkret der Mutter und dem Kind zu helfen. Für das Kind ist es wichtig, seine Wurzeln, seine Herkunft zu kennen.
Der Aufruf birgt aber auch die Gefahr, dass Frauen davon abgehalten werden, ihr Kind in einer Babyklappe abzugeben, weil sie anschließend die Aufmerksamkeit der Medien fürchten müssen. Könnte sein, dass sich Nachbarn melden, sie hätten eine vor kurzem noch schwangere Frau bemerkt. Ein Experiment mit ungewissem Ausgang.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert