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Kommentar Arbeit in der FleischindustrieSchutzlose Zonen

Eva Völpel

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Eva Völpel

Der Ausdruck „Werkvertag“ bekommt langsam aber sicher ein negatives Image. Er wird eingesetzt, um Löhne zu drücken. Das muss aufhören.

D ie Mühe, Beschäftigten menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu bieten, gleicht einem ewigen Wettlauf: Die Realität galoppiert davon, Gewerkschaften und Politik versuchen mehr oder weniger engagiert, hinterher zu rennen und zu regulieren. Oft dauert es Jahre, bis sich etwas verbessert.

Das Phänomen lässt sich derzeit beim Thema Werkverträge beobachten. Berichte über Schlachter, die für drei Euro in der Stunde Schweinehälften im Akkord zerlegen oder Werftarbeiter, die in ihren Unterkünften verbrennen, zeigen, dass mitten in unserer Gesellschaft Zonen existieren, in denen Menschen in absoluter Schutzlosigkeit arbeiten und leben. Das an sich ist noch keine neue Erkenntnis.

Neu ist, dass der Ausdruck „Werkvertrag“ langsam aber sicher ein negatives Image bekommt. Und neu ist auch das Bewusstsein, dass Werkverträge in immer mehr Branchen, vom Einzelhandel über die Automobilindustrie, eingesetzt werden, um Löhne zu drücken. Das ist der Boden, auf dem der Druck für politische Reformen wächst.

Konstruktive Vorschläge dafür liegen auf dem Tisch, siehe die Bundesratsinitiative, die Niedersachsen nun vorlegt hat. Kritiker einer Regulierung wenden gerne ein, dass nicht jeder Werkvertrag für Ausbeutung oder Lohndumping stehe. Damit haben sie zweifellos recht. Genau deshalb ist es nötig, Transparenz über Werkverträge herzustellen. Beispielsweise, indem Betriebsräte über Ausmaß und Arbeitsbedingungen von Werkvertragsarbeitern informiert werden müssen und Mitspracherechte erhalten. Beispielsweise, indem ein allgemeiner Mindestlohn eingeführt wird. Oder indem kommunale Behörden mehr Befugnisse bekommen, um gegen Bruchbuden für Beschäftigte vorgehen zu können.

Die Gewerkschaften haben ab 2007 begonnen, die Leiharbeit zu skandalisieren. Das Ergebnis war unter anderem, dass fünf Jahre später ein Mindestlohn für Leiharbeiter eingeführt wurde - und findige Arbeitgeber auf Werkverträge auswichen. Bleibt zu hoffen, dass es nicht wieder fünf Jahre dauert, bis die nötigen Gesetze verabschiedet werden.

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Eva Völpel

Eva Völpel Inlandsredakteurin

Jahrgang 1976. Ist seit 2009 bei der taz und schreibt über Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie die Gewerkschaften
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