Kolumne Über Ball und die Welt: Hände weg vom Sport!

Die Fifa und das IOC sind in der Lage, Nationalstaaten Bedingungen zu diktieren. Und ihr politökonomisches Argument ist eine Farce.

ein Mann mit rot-weißer Perrücke hält einen roten Schal hoch, auf dem „Indonesia“ steht

Fifa-Suspendierung aufgehoben. Indonesiens Fans dürfen ihre Schals wieder auspacken Foto: imago/Richard Wareham

Was haben eigentlich, fußballerisch betrachtet, Indonesien und Kuwait gemein? Einerseits hat doch die Fifa auf ihrem Kongress in Mexiko die Suspendierung Indonesiens vom internationalen Fußball aufgehoben, die von Kuwait allerdings bestätigt. Doch genau das ist die Gemeinsamkeit: In beiden Ländern hat der Staat von der Fifa eine empfindliche Niederlage beigebracht bekommen. (Benin übrigens auch, und wenn man länger zurückschaut, sind es sehr viele Nationalstaaten, die sich der Macht des Weltfußballverbandes beugen mussten. Die Liste ist länger als diese Kolumne.)

Vor einem Jahr hatte die Fifa sowohl Kuwait als auch Tunesien gesperrt – mit der in diesen Fällen immer gleichen Begründung, dass Sport und Politik zu trennen seien. In den Worten des neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino formuliert: „Wir müssen die Verbände vor staatlichen Eingriffen schützen, das ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.“

In Indonesien hatte die Regierung vor einem Jahr etwas gegen anhaltende Korruption im nationalen Ligafußball unternehmen wollen und eine Kontrollbehörde gegründet. Es gab konkrete Hinweise, wonach mindestens 20 Spiele der nationalen Liga manipuliert worden waren. Ein klassischer Fall: Der Staat greift ein, weil in der Gesellschaft etwas deutlich schiefläuft.

Aaaaaber: Nicht mit der Fifa! Das ist doch unzulässige Einmischung in das von ihr als exterritorial angesehene Feld des Fußballs. An der Qualifikation zur WM 2018 und zur Asienmeisterschaft 2019 durfte Indonesien nicht teilnehmen. Nun aber hat die indonesische Regierung klein beigegeben und die führende Rolle der Fifa anerkannt. Betrug und Manipulationen, hat man in Jakarta endlich eingesehen, dürfen nicht von Politik oder Justiz geahndet werden, sondern das ist Sache des Weltfußballverbands. Nachdem es diese Lektion in sehr modernem Staatsrecht begriffen hat, darf Indonesien wieder mitkicken.

Wertvoller als Apple und Microsoft

Im Falle von Kuwait hatte die Fifa dem Parlament den Befehl erteilt, ein Sportgesetz so zu ändern, dass der Fußballverband gefälligst über jedem Recht steht. Kuwaits Gesetzgeber kam dieser Order nicht nach – und die Nationalelf wurde verbannt. Einen ähnlichen Streit um das Sportgesetz trägt Kuwait derzeit auch mit dem Internationalen Olympischen Komitee aus. Fifa wie IOC sind eben Monopolisten auf ihrem Terrain: „Fifa WorldCup ™“ beziehungsweise Olympische Spiele sind Marken, die wertvoller sein dürften als Apple und Microsoft zusammen.

Es versetzt die Fifa und das IOC in die Lage, Nationalstaaten Bedingungen zu diktieren. Wenn ein Land eine WM oder Olympia haben möchte, dann drücken sie mit einer Macht, an die weder der UN-Sicherheitsrat noch die Nato heranreichen, für sich Steuerbefreiungen und für ihre Sponsoren uneingeschränkte Verwertungsbedingungen durch. Der Nutzen, den Weltmeisterschaften und Olympische Spiele für Regime jeder Art besitzen, ist derart groß ist, dass alle zu jedem Kotau bereit sind.

Allzu lange kann es sich auch keine Regierung dieser Erde erlauben, mit dem Vorwurf zu leben, schuld zu sein, dass die Fußballauswahl zu Hause bleiben muss. Diesen Vorwurf einer Regierung – wie demokratisch oder undemokratisch sie auch immer legitimiert sein mag – anzuhängen, gelingt der Fifa immer wieder. Und zwar nicht etwa, weil sie besonders gut manipulieren könnte, und schon gar nicht, weil sie eine moralische Autorität darstellte. Nein, das Argument, mit der die Fifa politökonomisch ihre unglaubliche Macht absichert, lautet: Sport habe nichts und dürfe nichts mit Politik zu tun haben. Auf die Idee muss man erst mal kommen!

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Jahrgang 1964, Mitarbeiter des taz-Sports schon seit 1989, beschäftigt sich vor allem mit Fußball, Boxen, Sportpolitik, -soziologie und -geschichte

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de