Kolumne London Eye: Ernüchtert und erleichtert

Die Plüschpuppen Wenlock und Mandeville sind aus den Regalen geräumt. Verzweifelt wird versucht, den Schokoladenüberschuss loszuwerden, den die Maskottchen produziert haben.

Mit den letzten Tönen der Schlusszeremonie kommt in London die Ernüchterung hoch, weil alles vorbei ist und das normale Leben wieder einkehrt. Im Supermarkt Waitrose wurden bereits die Plüschpuppen Wenlock und Mandeville aus den Regalen genommen. Verzweifelt versucht der Laden, den Schokoladenüberschuss der Maskottchen an allen Kassen loszuwerden.

Einige sind erleichtert, dass die Spiele gelaufen sind, andere nicht. Die Opernsängerin Nina, 54, freut sich auf die Rückkehr ihrer Freunde, die wegen der Olympiade aus London geflüchtet sind. „Ich werde ihnen erzählen, dass ihre Furcht vor einem Verkehrschaos und Terroranschlägen falsch war und wir hier ein London erlebt haben, in dem alles funktionierte und das ruhiger war als sonst.“ Sie wünscht sich, dass es in London so bleibt wie während der Spiele.

Das hoffen Omar und Sultan nicht. Drei Minuten von Piccadilly Circus entfernt betreiben sie einen Souvenir- und Geldwechselladen. Sie haben 30 bis 40 Prozent weniger Umsatz gemacht. Dem Manager vom Bella Italia nebenan gehe es noch schlechter mit 4.000 Pfund Verlust pro Woche. Jetzt wissen sie, wie viel der Pizzabäcker sonst verdient.

Beth ist eher betrübt, denn sie wird das Kleid mit dem Union Jack wieder in den Schrank hängen müssen. Am Wochenende hat sie es noch mal schnell getragen. Ihr Mann George findet, dass er nicht ihr Kleid, sondern den Patriotismus vermissen werde. Man könne ja sonst die Fahne nicht so raushängen lassen, aber zur Olympiade durfte man, gerade mit so vielen britischen Medaillen. Paul, 30, befürchtet, dass eine depressive Stimmung aufkommen könnte. Er meint, die Paralympics könnten London noch mal aufheitern.

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Sohn eines Shoahüberlebenden, ist er 1969 in München geboren und lebte auch kurz in den Niederlanden und in Israel bis er 1991 nach London zog. An der Londoner Soas schreibt er über Rastafarianismus als politische Kraft unter Jugendlichen in Freetown, Westafrika. Seinen Magister beendete er am Goldsmiths College mit einer Arbeit über die Frage, was der Begriff Community Produzent*innen und Moderator*innen von Radioprogrammen von und für die Londoner schwarze Gemeinschaft bedeutet. Einen Doktorversuch über schwarze und jüdische Befreiungsbewegungen und die Bedeutungen von Gewaltanwendung (UCL und U. of Leeds) machte er mangels finanzieller Ressourcen nicht fertig. Bald ist er Hörfunkjournalist mit Einsätzen für DW, agiert aber auch als Universitätsassistent, und arbeitet, u.a. für das jüdisch-palästinensischen Friedensdorf Wahat al-Salam ~ Neve Shalom. Seit 2011 berichtet er leidenschaftlich aus Großbritannien, wo es ihn neben dem Politischen vor allen um die Übermittlung der menschlichen Geschichten geht. Neben dem durchgehenden Einsatz für die taz, schreibt Daniel seit einigen Jahren an einem Buch über seine Familie und die Fragen der Zugehörigkeit und den Rassismus. Daniel ist ausgebildeter Studio Pilateslehrer mit einem zweiten Magister in Sport Coaching.

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