: Kohl macht Rückzieher: Keine Vertragsgemeinschaft mit der DDR
Bonn (ap) - Bundeskanzler Helmut Kohl will jetzt doch keine Vereinbarung über eine Vertragsgemeinschaft mit der DDR vor den Wahlen am 6.Mai unterzeichnen. Nach einem gestrigen Koalitionsgespräch erklärte Regierungssprecher Hans Klein, es habe Übereinstimmung bestanden, daß „unabhängig von jetzt notwendigen Formen der Zusammenarbeit“ vor der Volkskammerwahl „kein Vertrag abgeschlossen wird, der möglicherweise ratifizierungsbedürftig ist“. Davon unberührt sind konkrete Maßnahmen der Kooperation in einzelnen Bereichen, etwa der Wirtschaft, des Gesundheitswesens, des Fernmeldewesens und des Umweltschutzes, die noch vor den Wahlen in der DDR vereinbart werden sollen. Kohl hatte bei seinem Treffen mit DDR-Ministerpräsident Hans Modrow am 19.Dezember in Dresden und danach noch einmal im Bundesrat angekündigt, die Vertragsgemeinschaft solle noch vor der Wahl in der DDR ausgehandelt und abgeschlossen werden. Dieser Absicht hatte in der vergangenen Woche die FDP widersprochen: Vereinbarungen über das Verhältnis beider deutscher Staaten könnten nur mit einer demokratisch legitimierten Regierung und einem frei gewählten Parlament geschlossen werden.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen