Klimawandel schädigt Barrier Reef: Von schlecht zu sehr schlecht

Das unter der Klimaerhitzung leidende Great Barrier Reef soll auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt werden. Australien protestiert.

Eine Wasserschildkröte schwimmt zwischen Ausgebleichten Korallen

Steigende Temperaturen, Übersäuerung des Wassers: Das Korallensterben schreitet voran Foto: Lucas Jackson/reuters

CANBERRA taz | In seinem Bericht zeigt sich das Welterbekomittee „zutiefst besorgt“ über den Zustand des Great Barrier Reef. Die langfristigen Aussichten des Ökosystems in dem riesigen Riff hätten sich „von schlecht zu sehr schlecht“ entwickelt. Wissenschaftler warnen seit Jahren, das 2.300 Kilometer lange Riffgebilde vor der Küste Australiens sei als Folge von Klimaerhitzung und anderer vom Menschen verursachter Einflüsse von der Zerstörung bedroht. Mehrere kurz aufeinander folgende Unterwasserhitzewellen hatten in den letzten Jahren zum Ausbleichen und schließlich Absterben großer Flächen von Korallen geführt.

Die australische Regierung protestierte postwendend auf die Ankündigung. Sie machte einen möglichen „politischen Einfluss Chinas“ auf die Unesco verantwortlich. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind seit Längerem gespannt.

Umweltministerin Sussan Ley klagte, das Welterbekomitee habe auch „nicht die Milliarden von Dollar berücksichtigt, die Australien bereits zum Schutz des weltgrößten Korallenriffs ausgegeben hat“.

Die australische Klimaprofessorin Lesley Hughes von der Nichtregierungsorganisation Climate Council dagegen meinte, die Entscheidung der Unesco sei eine Folge der mangelhaften Klimapolitik Australiens. Das Land hält strikt an der Erweiterung der Ausbeutung und dem Export von Kohle und Gas fest – trotz der erwiesenen negativen Folgen, die fossile Energieträger für das globale Klima haben.

Regierung seit Jahren gewarnt

Laut Hughes sei „die australische Regierung schon vor Jahren gewarnt worden, endlich mit Klimaschutzmaßnahmen das Riff zu schützen“. Die Expertin glaubt, eine Auflistung durch die Unesco sei gleichbedeutend mit der Höchststufe „katastrophal“ im Warnsystem, das in Australien bei Waldbränden angewandt wird.

Übernimmt die Unesco im Juli die Empfehlung ihrer Experten und setzt das Riff auf die Rote Liste, wäre das nicht nur eine dramatische Niederlage für die australische Regierung, die jahrelang versucht hatte, die Unesco zu überzeugen, das aus rund 2.500 einzelnen Riffen bestehende Gebiet befinde sich in einem guten Zustand.

Zwar konnten Maßnahmen das Problem des Zuflusses von korallenschädigenden Abwässern vom Festland ins Riff tatsächlich verbessern. Die beiden Hauptprobleme aber eskalieren weiter: steigende Temperaturen und die Übersäuerung des Wassers. Diese beiden Faktoren – Folgen der vom Menschen verursachten globalen Klimaerhitzung – sind maßgeblich für die Ausbleichung und schließlich das Absterben von Korallen verantwortlich.

Folgen für die Tourismusindustrie

Die Folgen für die australische Tourismusindustrie sind kaum abschätzbar, wenn das Riff im selben Atemzug genannt werden würde wie das kriegsversehrte Aleppo in Syrien oder die von den Taliban zerstörten buddhistischen Statuen im Bamiyan-Tal in Afghanistan. Sie stehen ebenfalls auf der Liste des gefährdeten Welterbes. Rifftourismus allein stellt 60.000 Arbeitsplätze und ist für Milliarden Dollar an Deviseneinnahmen verantwortlich.

Scott Garden, Besitzer des Rifftouranbieters Passions of Paradise in Cairns, zeigte sich am Dienstag erstaunt über die Unesco. „Ich sehe Fische, ich sehe Schildkröten, ich sehe Leben. Es ist fantastisch, einfach schön“, beschreibt er seine Erlebnisse unter Wasser. Dass solche Beobachtungen möglich sind, wird von Wissenschaftlern nicht bestritten. Längst nicht das ganze Riff sei von der Zerstörung betroffen. Doch die Orte, wo Touristen noch Korallenriffe sehen können, wie sie in den farbigen Broschüren der Reisebüros präsentiert sind, würden immer weniger.

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