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Klassenfahrt in die Türkei

■ Deutsche und türkische Arzthelfer-Schülerinnen gehen auf gemeinsame Fahrt

„Heimat? Das ist eine schwere Frage“, sagt Fazilet Y. Die 19jährige Frau ist in Bremen geboren, in Bremen aufgewachsen, in Bremen lernt sie HNO-Arzthelferin. „Wenn ich gefragt werde, woher ich kommen, dann anworte ich, woher meine Eltern kommen.“

Sechs Türkinnen sind in der Arzthelferinnen-Klasse der Berufsschule Lange Reihe, zwei Polinnen, ein Mädchen aus Kosovo, 10 Deutsche. Ende September fährt die Klasse in die Türkei: die türkischen Mädchen wollen ihren deutschen Klassenkameradinnen ihr Land zeigen und das türkische Gesundheitssystem.

„Es ist schön“, sagt Selda S. stolz. „Ich freue mich sehr, daß sie es mal sehen, wie es in der Türkei ist.“ Auch Selsa ist in Bremen aufgewachsen.

Oft sind in Schulen deutsche und türkischen SchülerInnen getrennt. Die einen sprechen deutsch, die anderen türkisch. Die Sprache des Elternhauses „kommt einfach automatisch“, sagt Fazilet. In der Arzthelferinnen-Klasse ist das anders. Von der Grundschule an, sagt Silvia S., waren türkische Kinder in der Schulklasse dabei. Auf der Berufsschule hat die reine Mädchen- Klasse mehrfach die „Ausländerfeindlichkeit“ zum Thema gemacht, sich an Wettbewerben und Aktionen beteiligt, auf dem Multikulturellen Fest Essen verkauft, um ein paar Mark für die gemeinsame Türkeireise zu verdienen. In Izmir soll ein Krankenhaus besichtigt werden, die türkischen Mädchen wollen ihren deutschen Klassenkameradinnen aber auch eine Moschee zeigen und die dörfliche Kultur. Modern ausgestattete Krankenhäuser gibt es nur für die, die viel dafür bezahlen können, Geburten zum Beispiel finden auf dem Lande ambulant statt. „So gut kennen wir die Türkei auch nicht“, gesteht Fazilet.

Arzthelferinnen gibt es in der Türkei nur in Krankenhäusern, nicht bei niedergelassenen Ärzten. Die machen alles selbst, sagen die Arzthelfer-Schülerinnen. Für sie gibt es dort keinen Arbeitsplatz. In Bremen dagegen sind türkische Arzthelferinnn „sehr gefragt“, weiß Fazilet. Weil die mit türkischen Patienten in der Muttersprache reden können.

In Bremen sind die türkischen jungen Frauen nach wie vor behütet wie in der „Heimat“. Abends dürfen sie nicht raus, nicht in die Disco. „Die Jungen dürfen das“, sagt Fazilet, dürfen mit deutschen Mädchen in die Disco. Bei den türkischen Mädchen gibt das aber kein Konflikt im Elternhaus — „weil man das gewohnt ist.“ Streng? „Sind meine Eltern nicht“, sagt Selda.

Mit 70 Briefen hat die Klasse versucht, ein paar 50-Markscheine Spenden dazuzubekommen — 600 Mark Reisekosten sind bei 800 Mark Arzthelferinnen-Lehrgeld eine ganze Menge. Seit über einem Jahr sparen die Arzthelferinnen für ihre Türkeireise. K.W.

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