: Keine Tornados nach Erding
Erfolgreicher Bürgerprotest: Bundesverteidigungsminister Scholz zieht seine Stationierungsentscheidung zurück: Tieffluggefahr gebannt / Streit um „Lorbeerkranz“ / CSU will den Erfolg auf ihre Fahnen schreiben ■ Aus München Luitgard Koch
Nach einjährigem Tauziehen entschied Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz jetzt gegen die geplante Verlegung einer Tornadostaffel nach Erding bei München. „Das ist im Grunde eine Entscheidung zugunsten des neuen Großflughafens München II“, stellte Scholz klar. Gleichzeitig verwies der Minister darauf, daß die Landesverteidigung nach wie vor „notwendig bleibt“.
Die geplante Stationierung der Kampfbomber in Erding war auf massiven Protest der Bevölkerung gestoßen. Sobald der umstrittene Großflughafen im Erdinger Moos seinen Betrieb aufgenommen hätte, wäre die Gegend im Münchner Norden zum absoluten Tieffluggebiet geworden. Um die Zivilflugzeuge nicht zu behindern, hätten dann die Jagdbomber die Linienmaschinen unterfliegen müssen.
Um das Szenario perfekt zu machen, führten die Flugrouten nur eineinhalb Kilometer am Atomversuchsreaktor der TU -München in Garching vorbei. Durch das Überfliegen von geschützten Nist- und Rastplätzen für über 50.000 Wasservögel waren Zusammenstöße zwischen Vögeln und Tornados vorprogrammiert.
In seltener Einigkeit wurde diese militärische Risikofreude von sämtlichen Parteien in Bayern abgelehnt. Selbst die CSU reihte sich Anfang des Jahres bei den Stationierungsgegnern ein, nachdem ihre Glaubwürdigkeit vor Ort arg gelitten hatte: Es stellte sich heraus, daß der bayerische Kultusminister und Erdinger CSU-Kreisvorsitzende Hans Zehetmaier, der Erdinger CSU-Landrat Xaver Bauer sowie der CSU-Bürgermeister des Ortes bereits im Februar vergangenen Jahres vom Verteidigungsministerium über die geplante Tornadostationierung unterrichtet wurden. Diese Information behielten die drei jedoch für sich. Erst als zwei Monate später die Stationierungsabsicht von der Hardthöhe bestätigt wurde, tat man plötzlich verwundert und protestierte.
„Die Bemühungen der Bayerischen Staatsregierung wurden von Erfolg gekrönt“, brüstet sich nun nach dieser Entscheidung aus Bonn der bayerische CSU-Ministerpräsident Max Streibl. „Politisch wäre die Stationierung nicht mehr durchsetzbar gewesen, das hat zwar spät, aber nicht zu spät auch die CSU begriffen“, stellte der Sprecher der „Aktion Bürger gegen Tornados“, Claus Neugebauer, dagegen fest.
Trotz ihrer Freude über die Entscheidung will die BI wie geplant den diesjährigen Osterspaziergang gegen den Großflughafen in Erding durchführen. Die 10.600 Flugbewegungen - die Flugrouten sind dieselben - vom bereits existierenden Militär-Fliegerhorst Erding aus bleiben als Gefährdungspotential nach wie vor bestehen.
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