: Keine Extratouren
■ Frankreich unterm Sternenbanner
In der Diplomatie hat Paris seine Sonderrolle ausgespielt, jetzt will die französische Regierung (gemeinsam mit den Fremdenlegionären, die auf dem Weg nach Kuwait tief auf irakisches Gebiet vorgedrungen sind) fest zur amerikanischen Fahne stehen — jedenfalls bis Kriegsende. „Die USA spielen die Hauptrolle. Wir haben dem zugestimmt“, erklärte Francois Mitterrand am Sonntagabend. „Während des Kampfes sind wir alliiert und wir werden das tun, wozu wir uns verpflichtet haben. Danach, wenn der Frieden auf den Weg gebracht werden soll, werden wir sein, was wir sind“ — sprich: wird Frankreich versuchen, sich als Mittler zwischen den USA und den arabischen Staaten zu profilieren.
Mitterrand deutete allerdings ebenso an, daß es keine Rückkehr zum Status quo ante geben werde. Nicht nur über den israelisch-arabischen Konflikt müsse diskutiert werden, sondern auch über Kuwait und den Libanon: „Man kann nicht ausschließlich den Irak so hart behandeln, wie es geschehen ist, und dabei vergessen, in der gleichen Weise zu handeln, wenn andere Konflikte zu verhandeln sind.“ Damit bestätigte er, daß Frankreichs Kriegsziel nicht die Zerstörung des Irak sei, sondern neben der Befreiung Kuwaits die Ermöglichung einer regionalen Friedenskonferenz, wie es Präsidentenberater Edgar Pisani in einem taz- Gespräch letzte Woche andeutete.
Der neue Verteidigungsminister Pierre Joxe warnte am Sonntag vor „dem Risiko, daß dieser Krieg sich verlängern und eine sehr grausame Prüfung“ darstellen könnte. Dennoch meldete eine gestern veröffentlichte Umfrage, daß 78 Prozent aller Franzosen hinter der Bodenoffensive stünden. Die Anhänger des zurückgetretenen Verteidigungsministers Chevènement erklärten dagegen, wie in ähnlichen Worten auch die Kommunistische Partei, daß „offensichtlich das Kriegsziel die Zerstörung des irakischen Regimes und Saddam Husseins“ geworden sei.
Auf die Frage, ob Frankreich eine Eliminierung des irakischen Präsidenten anstreben würde, antwortete Francois Mitterrand am Sonntag ausweichend. Er gehe davon aus, daß ein verlorenener Krieg „neue Kräfteverhältnisse im Inneren dieses Landes“ schaffen werde. Alexander Smoltczyk
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