: Kein serbischer Abzug um Sarajevo
Raketen auf dem Igman stationiert? Bosniens Vizepräsident Ganić: UNPROFOR weiß Bescheid / Außenminister Silajdžić bestätigt bosnischen Teilungsvorschlag ■ Aus Genf Andreas Zumach
Weil die Truppen der bosnischen Serben noch immer nicht vom Berg Igman bei Sarajevo abgezogen waren, verweigerte Bosniens Präsident Izetbegović bis gestern Nachmittag die Fortsetzung der Genfer Verhandlungen über die territoriale Aufteilung Bosnien-Herzegowinas. Hintergrund des laut Agenturmeldungen „stockenden Rückzugs“ könnte die Stationierung von Raketen auf der Anhöhe über der bosnischen Hauptstadt sein. Nach einer Information des in Sarajevo verbliebenen bosnsichen Vizepräsidenten Ganić, die der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Schwarz verbreitet, sollen die Serben diese in der Nacht zum Donnerstag aufgebaut haben. Den UNPROFOR- Truppen warf Ganić vor, „von den Raketen zu wissen, aber einfach dazu zu schweigen“.
Doch selbst bei einer Wiederaufnahme der Direktverhandlungen ständen sich in Genf weiterhin konträre Positionen gegenüber. Die hier erneut abgebildete Karte, die die taz am 7. August (leider mit einer falschen Bildunterschrift) abgedruckt hatte, gibt bosnische Vorstellungen einer „überlebensfähigen“ muslimischen Teilrepublik wieder. Die Richtigkeit bestätigte Bosniens Außenminister Haris Silajdžić gestern gegenüber der taz. Danach sollen in der Teilrepublik auf rund 55 Prozent des bisherigen bosnischen Territoriums nicht nur Muslime, sondern auch Serben und Kroaten leben können sollen. Präsident Izetbegović, der bislang in Genf keinen eigenen umfassenden Vorschlag präsentiert hatte, will den Plan in den nächsten Tagen am Genfer Verhandlungstisch einbringen.
Serben und Kroaten wollen den Muslimen hingegen maximal die schon von den beiden Vermittlern Owen und Stoltenberg vorgeschlagenen 30 Prozent Bosniens zugestehen. Bezüglich Sarajevos besteht Izetbegović auf einem offen Status, während Serbenführer Karadžić die Stadt in einen muslimischen Innenstadtkern und einen serbischen Außenring teilen will. Einziges Angebot der serbischen Seite ist ein Straßenkorridor in das nördlich gelegene Tuzla.
Bereits vor drei Wochen gestand EG-Vermittler Owen dem Serbenführer den nordwestlichen Vorort Ilidža zu. In ihrem jüngsten Bericht an den Sicherheitsrat behaupten die beiden Vermittler nun, Ilidža habe „vor dem Krieg eine mehrheitlich serbische Bevölkerung gehabt“. Laut dem letzten offiziellen Zensus aus dem Jahre 1991 lebten in dem Stadtteil allerdings 43 Prozent Muslime und 37 Prozent Serben.
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