: Kein Kinderspiel
In Japan sucht eine Konferenz nach Maßnahmen gegen Kinderhandel und -prostitution. Unicef: Millionen Kinder werden weltweit missbraucht
BERLIN taz ■ In Yokohama wurde gestern die zweite weltweite Konferenz gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern eröffnet. Mehr als 3.000 Delegierte aus 138 Ländern beraten vier Tage lang über Maßnahmen gegen Kinderhandel und -prostitution. Bei der Vorgängerkonferenz hatten sich vor fünf Jahren in Stockholm 122 Staaten in einer Abschlusserklärung verpflichtet, strengere Gesetze zum Schutz von Kindern einzuführen. Bisher haben 48 Staaten diese Vorgaben umgesetzt.
„Trotz dieser Bemühungen hat sich die Situation bis heute verschlechtert“, gab die japanische Außenministerin Makiko Tanaka zur Eröffnung zu. Nach einer letzte Woche veröffentlichten Unicef-Studie werden jedes Jahr allein in Asien eine Million Kinder ins kommerzielle Sex-Geschäft verschleppt. In Thailand gebe es etwa 800.000 Kinderprostituierte, heißt es in dem Bericht, in Brasilien wird ihre Zahl auf 500.000 bis zwei Millionen geschätzt. Angesichts dieser Zahlen sagte die Direktorin des UN-Kinderhilfswerks, Carol Bellamy, es liege an den einzelnen Staaten, diese Verbrechen endlich wirksam zu verfolgen.
Auch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen nehmen an den Beratungen in Tokio teil. Der deutschen Delegation unter Familienministerin Christine Bergmann gehören auch Mitglieder der Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes an. Kinderhandel sei kein ausschließliches Problem der Dritten Welt, heißt es in einer Stellungnahme der Organisation: „Kein Land der Welt bleibt von diesem kriminellen Geschäft unberührt.“ Von der Konferenz erhofft sich Terre des Hommes vor allem eine größere Präsenz des Themas in den Medien. „Wir brauchen eine weltweite Mobilisierung der Öffentlichkeit gegen den Kinderhandel“, sagte Boris Scharlowski, Leiter der Terre-des-Hommes-Kampagne „Stoppt Kinderhandel!“
Über die Erfolgsaussichten der Konferenz äußerte sich Unicef-Chefin Carol Bellamy gestern zurückhaltend: Man werde sich nur schwer auf Lösungen einigen können, denn die Probleme und die Zahl der betroffenen Kinder variierten von Land zu Land sehr stark. DF
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