Kaurismäkis Kneipen: Noch mehr trinken in Helsinki

Ein einsamer Mann am Tresen, schummrige Beleuchtung und ein halb geleertes Glas Bier

Helsinki bei Nacht Bild: Sava Marinkovic/sxc

Das könnte eine Szene aus einem Film von Aki Kaurismäki sein, denn in fast jedem seiner Filme spielen Menschen, die im Alkohol einen letzten treuen Freund gefunden haben, eine tragende und gleichzeitig tragische Rolle. Die Szene findet aber nicht in einem Film Kaurismäkis statt, sondern in einer seiner Kneipen. Der finnische Kultregisseur besitzt in Helsinki einige Lokale, die sich allesamt hervorragend als Drehort eignen würden. Im Café Moskva ist mit Matti Pellonpää sogar einer seiner wichtigsten Schauspieler zu Gast - allerdings nur in Form eines Fotos neben dem Tresen, denn Pellonpää starb 1995 im Alter von 44 Jahren an einem Herzinfarkt. Es ist nicht nur Anekdote, dass der große Schauspieler in den 80er-Jahren keine eigene Wohnung hatte und für ihn die Kneipen der Stadt gleichzeitig Trinkhalle und Wohnzimmer waren.

Ich bestelle ein "Pitkä", ein Großes", wie man in Helsinki für ein Bier sagt. Überrascht stelle ich fest, dass die Alkoholpreise in Finnland seit dem Beitritt des Landes zur EU deutlich gefallen sind, und so bekomme für meine zehn Euro sogar noch reichlich Wechselgeld zurück. Nach dem zweiten Bier stelle ich fest, dass ich zu früh dran bin. Die Insider sind noch nebenan - in der Corona Bar, die ebenfalls Kaurismäki gehört und die neben einem langen Tresen, an dem Gerüchten zufolge auch der Chef selbst gerne Platz nimmt, vor allem aus einer riesigen Billardhalle besteht. Das Lokal Zetor gehört zwar nicht Aki Kaurismäki selbst, hat aber mit seinen Filmen zu tun. Die Inneneinrichtung wurde von Sakke Järvenpää, einem der Hauptdarsteller in Kaurismäkis Film "Leningrad Cowboys go America", entworfen. Ein weiterer Hauptdarsteller aus diesem Film ist sowohl der Namensgeber des Restaurants als darin auch selbst mehrfach vertreten. Zetor ist ein tschechischer Traktor, der in der Eingangssequenz des Films ausführlich zu sehen ist, und im Lokal selbst dienen einige ausgediente alte Traktoren als Tische.

Café Moskva und Corona Baari, Eerikinkatu 11, Tel. (09) 64 20 02, Zetor, Kaivopiha, Manerheimintie 3-5, Tel. (09) 66 69 66

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de