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Kann es sein...

■ betr.: "Arbeitsgericht: Fink hatte Stasi-Kontakte", "Die Akte hat gesprochen", taz vom 17.12.92

betr.: „Arbeitsgericht: Fink hatte Stasi-Kontakte“, „Die Akte hat gesprochen“, taz vom 17.12.92

[...] Kann es nicht sein, daß Prof. Heinrich Fink mit der Stasi nichts zu tun hatte und aus anderen Gründen seine Rektoratsstelle an der Humboldt-Universität verlassen mußte, zum Beispiel weil er den Regierenden zu unbequem war? Es kann sein.

Wieso wird Heinrich Fink nicht nach seinen heutigen Taten beurteilt? Er hat zahlreiche Bekannte in ganz Europa, die ihn in Unterstützungsbriefen als überaus integren, rücksichtsvollen Menschen darstellen. Unzählige Bekannte attestieren ihm eine christliche Nächstenliebe, die es niemals erlauben würde, irgendeiner Person zu schaden. Dennoch wird er verurteilt aufgrund von Stasi-Akten, die vor etlichen Jahren entstanden sind, als die Stasi-Mitarbeiter unter großem Erfolgsdruck standen und auch einmal eine Person falsch einschätzen konnten. Wieso wird denselben Stasi-Mitarbeitern heute nicht mehr geglaubt, wenn sie vor Gericht aussagen, und den damals geschriebenen Worten eines heutzutage sonst verachteten Überwachungsstaates, der soviel Unheil angerichtet hat, wie eine Bibel gefolgt?

Kann es nicht sein, daß sich die Stasi-Mitarbeiter damals in der Beurteilung der Person Finks geirrt haben, zugunsten einer weiteren Erfolgsmeldung an die Stasi-Obrigkeit, und daß Fink in seiner hohen Stellung nur diejenigen unvermeidlichen Kontakte zum Staat eingegangen ist, die für ein von Repressionen unbeeinträchtigtes Dasein im DDR-Staat notwendig waren? – Es kann sehr wohl sein. Wieso wird Fink überhaupt verurteilt, wenn er doch als Rektor bei den Studierenden äußerst beliebt war, sich für die Studierenden und für Selbstbestimmung an der Universität eingesetzt hat und – vor allem – nachweislich niemandem je geschadet hat? Hat das etwas mit der derzeitigen Hochschulpolitik zu tun? Ann Stafford, Studentin,

Berlin/Basel

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