Kaninchenzüchter über Papst-Äußerung: „Die Fortpflanzung läuft geordnet“
Der Papst fordert, dass Katholiken sich nicht wie „Karnickel“ vermehren sollen. Der Chef der deutschen Rasse-Kaninchenzüchter hält dagegen.
taz: Herr Leowsky, Sie kritisieren den Papst für seine Forderung, die Katholiken sollen sich nicht wie die Karnickel fortpflanzen. Wollen sie wirklich dem Papst widersprechen?
Erwin Leowsky: Ich will ihm nicht widersprechen, ich nehme ihm das auch nicht übel. Das ist aber eine dumme Redensart. Der wird mir schon nicht böse sein, wenn ich auf diesen Fehler hinweise.
War sein Satz ein Fehler?
Also erstmal sollte er sich um Wichtigeres kümmern. Etwa darum, dass die Kirche die Verhütung freigibt. Und dann darf man nicht allen Karnickeln sexuelle Ausschweifungen vorwerfen. Das trifft auf die freilebenden Tiere zu, die Fortpflanzung bei Zuchtkaninchen verläuft aber geordnet.
Geordnet?
Ja, wir machen geordnete Fortplanzung, gezielte Zuchtarbeit. Bei uns wird ein weibliches Tier höchstens zweimal im Jahr belegt. Dann hat es Ruhe und Zeit, die Jungen großzuziehen.
ist seit 2012 Chef des Zentralverbandes Deutscher Rassekaninchenzüchter.
Und in freier Wildbahn geht es heftiger zu?
Da vermehren Kaninchen sich unkontrolliert, das stimmt. Das ist häufig ein Problem. Wenn die Population sich nicht von alleine durch Inzucht oder ähnliches kaputt macht, nimmt das schlimme Ausmaße an, sodass der Mensch einschreiten muss. Da lassen sich die Weibchen häufig schon zwei Wochen nachdem die Jungen geboren wurden, wieder befruchten. Da kann es schon zehnmal im Jahr zu einem Wurf kommen. Die haben ja viele natürliche Feinde, deshalb machen sie aus Angst immer wieder neue Nachkommen.
Sind Sie eigentlich katholisch?
Ich bin evangelisch. Mit der Institution der katholischen Kirche habe ich komplett abgeschlossen. Als ich meine katholische Frau heiraten wollte, hat uns die Kirche so viele Steine in den Weg gelegt, da ist mein Respekt weg.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert