Kampf um PC-Markt: Wie billig darf ein Rechner sein?

Über Supermärkte wie Aldi versuchen asiatische Anbieter, möglichst große Stückzahlen an einfachen Internet-PCs in den Markt zu drücken. Nicht alle sind leistungsfähig genug.

Mehr als ein Gigabyte sollte ein Billig-Rechner haben, damit alles reibungslos läuft. Bild: dpa

BERLIN taz Preiskampf neben der Fleischtheke: In der neuen Rechnerkategorie der Billig-PCs versuchen asiatische Hersteller, sich gegenseitig mit neuartigen Vertriebsmethoden zu unterbieten. Seit Mitte des Monats verkauft der Supermarkt Aldi für 400 Euro ein Notebook, das eigentlich alles hat, was man für die grundlegende Rechnerarbeit benötigt. Kaum war das Gerät der Marke "Medion" im Handel, legte schon Konkurrent MSI nach. Der brachte ein ähnliches Modell unter dem Namen "Wind" mit deutlich besserem Akku und integriertem Bluetooth-Funkmodell für nur 30 Euro mehr auf den Markt. Besonders skurril daran: Beide Billig-Rechner stammen aus ein und derselben chinesischen Fabrik.

Die Auswahl an Rechnermodellen für wenig Geld jenseits der 400 Euro-Grenze ist inzwischen groß - selbst Hersteller wie Hewlett Packard, die bislang auf kostspieligere Markenprodukte mit immer mehr Funktionen setzten, lassen in ihren asiatischen Produktionszentren Billig-Rechner produzieren. Der neueste Trend nach den Netbooks sind so genannte "Nettops" - kleine Kisten ohne Monitor, die teure Desktop-PCs ersetzen sollen und auf dem Schreibtisch nur wenig Platz wegnehmen. Sie sind ähnlich wie die Notebook-Konkurrenz für unter 400 Euro zu haben, aber insgesamt intern besser ausgestattet, weil kein Geld für Bildschirm, Tastatur und Maus anfällt, die der Benutzer stellen muss. Solche Rechner besitzen deshalb zumeist mehr Arbeitsspeicher und größere Festplatten.

Allen Netbooks und Nettops gemein ist die verhältnismäßig geringe Prozessorleistung. Spiele oder hochauflösende Filme sind damit nicht nutzbar, doch dafür sind sie auch nicht gedacht. Als Betriebssystem wird zumeist Windows XP verwendet, das Hersteller Microsoft offiziell nur noch für diese Geräteklasse anbietet - streng überwacht danach, dass die Maschinen nicht zu leistungsfähig sind. Windows Vista ließe sich auf den Rechnern sowieso nur in einer grafisch abgespeckten Variante installieren.

Problemlos nutzbar sind die Billig-Rechner für Surftrips ins Internet - selbst Animationen und Videoclips bei YouTube und Co. sind damit kein Problem. Auch einfache Textverarbeitungsanwendungen sind nutzbar. Achten sollte man beim Kauf auf genügend Arbeitsspeicher (er sollte ein Gigabyte nicht unterschreiten) und genügend Speicherplatz. Die Rechner werden einerseits mit kleinen Flash-Laufwerken und andererseits mit größeren Festplatten angeboten. Hier sollte man nach Bedarf entscheiden: Flash-Netbooks halten batteriemäßig länger durch, dafür lassen sich auf den Festplatten-Geräten auch größere Musiksammlungen ablegen.

Die ersten Netbooks von Asus, die den Trend begründeten, wurden noch mit dem freien Betriebssystem Linux ausgeliefert, das weniger Leistung frisst als Windows. Wichtige Programme wie der Browser Firefox oder die Textverarbeitung Open Office funktionieren auch dort wie auf einem handelsüblichen PC. Die Grundidee: Immer mehr Anwendungen werden sowieso direkt über das Internet verwendet, etwa bei Google das Mail-Programm oder eine Tabellenkalkulation. Dazu reicht es aus, wenn der Rechner eine Browser-Anwendung schnell genug ausführt.

Der Trend hat sich allerdings inzwischen zu Gunsten von Windows XP verschoben. Das hat den Vorteil, dass man über das übliche große Software-Angebot verfügen kann, bedeutet aber auch, dass man seinen Rechner gegen Viren und Würmer schützen muss. Und genau hier kann es zu Problemen kommen: Entsprechende Security-Programme sind inzwischen wahre Leistungsfresser, die ein Netbook ausbremsen können. Genügend Speicher- und Plattenplatz können helfen.

Der Erfolg der Billig-Rechner beschäftigt inzwischen auch die Börse - positiv wie negativ. Apple, traditionell im eher hochpreisigen Segment der PCs angesiedelt, stellte in der vergangenen Woche neue Computer vor, ließ Nettops und Netbooks dabei aber bewusst außen vor - das billigste Notebook kostet weiterhin 950 Euro. Die Aktienmärkte reagierten prompt und sorgten für einen Kursrutsch von mehr als fünf Prozent. Apple-Chef Steve Jobs ficht das allerdings nicht an: Er freut sich über hohe Margen.

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