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Kambodschanische Winkelzüge

■ Rote-Khmer-Führer trifft Übergangs-Präsident Sihanouk

Phnom Penh (AFP/taz) – Der nominelle Chef der Roten Khmer, Khieu Samphan, hat vorgeschlagen, daß seine Soldaten in die – noch aufzubauende – Armee der kambodschanischen Übergangsregierung eingegliedert werden. Khieu Samphan hielt sich gestern zu einem Kurzbesuch in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh auf und sprach dort mit Vertretern der Interimsregierung. Am Tag zuvor hatten sich Rote Khmer noch im Norden des Landes Gefechte mit den Soldaten der ehemaligen Regierung geliefert. Auch der vor einer Woche eroberte Preah Vihar Tempel an der thailändischen Grenze ist noch in der Hand der Roten Khmer.

Künftig, so Khieu Samphan, könnten Konfrontationen vermieden werden, wenn seine Leute in die Armee des Landes aufgenommen würden. Den Tempel wolle er auch zurückgeben, allerdings nur an die Verbände der „FUNCINPEC“-Partei – die bei den Wahlen im Mai die meisten Stimmen erhielt – und nicht an die Truppen der im Juni abgelösten Ex-Regierung. Dies berichtete „FUNCINPEC“-Chef Ranariddh.

Vertreter seiner Partei erklärten gestern auch, Übergangs- Staatschef Prinz Norodom Sihanouk habe den Roten Khmer angeboten, einige Ministerposten in seiner Regierung anzunehmen. Dies hatte Sihanouk, der für seine schnellen Meinungsumschwünge bekannt ist, noch eine Woche zuvor abgelehnt. Der Rote-Khmer- Vertreter sagte, er habe dieses Angebot „mit Freude“ vernommen, fordere jedoch nur eine Rolle als Regierungsberater.

Damit setzt die politische Führung der Roten Khmer, unter deren Regime von 1975 bis 1978 etwa eine Million Menschen umkamen, ihr Werben um Prinz Sihanouk und die „FUNCINPEC“-Partei fort. In vielen Regionen gibt es nach Ansicht von Beobachtern ohnehin eine enge Zusammenarbeit zwischen den ehemaligen Verbündeten im Bürgerkrieg, der 1991 mit dem Friedensabkommen von Paris beendet wurde. li

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