: K O M M E N T A R Polizei will Todesschuß
■ SPD-Polizeigewerkschafts-Chef fordert zur CDU-Wahl auf
Der Bericht des Untersuchungs-Ausschuß „Geiseldrama“ kommt zu dem Ergebnis, daß allzu ungeschicktes Vorgehen der Polizeikräfte nicht nur der Tod des Italieners Emanuele de Giorgi, sondern auch die Kaperung des Busses mit-provoziert haben könnte. Bisher hat jedoch niemand versucht, aus der Kritik am Bremer MEK Konsequenzen zu diskutieren. Die Polizei aber wartet nicht mit ihrer „Bewältigung“ der Blamage. Im Leitartikel des Gewerkschaftsorgans „Deutsche Polizei“ (9'89) hat der Bremer GdP-Vorsitzende, das SPD -Mitglied Hans Schulz, gefordert, daß im Polizeigesetz der „Rettungsschuß mit Tötungsabsicht“ erlaubt wird. Da die SPD den gezielten Todesschuß nicht gesetzlich verankern will, hat er offen zur Wahl der CDU (oder der Reps) aufgerufen: „Da in Bremen die Mandatsträger keinen Handlungsbedarf sehen, müssen die Bürger mehrheitlich entscheiden, welcher gesetzlichen Regelung sie den Vorzug geben wollen. Es geht letztlich nicht um die Erhaltung des Lebens Unschuldiger“, polemisiert Schulz.
Bisher hat kein SPD-Politiker gegen die Erkenntnisse seines Parteifreundes öffentlich protestiert. Die verantwortlichen Politiker kneifen.
Klaus Wolschner
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen