: Justiz im Zwielicht
■ Unwillige Ermittler bei Balsam-Pleite – ein Fall für den Sonderstaatsanwalt
Düsseldorf (taz) – Der Nordrhein-Westfälische Justizminister Rolf Krumsiek (SPD) hat gestern erstmals „Unklarheiten“ im Zusammenhang mit den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den bekannten Sportbodenhersteller Balsam eingeräumt. Die Firma aus Steinhagen bei Bielefeld war nach der Verhaftung von vier Managern Mitte des Jahres unter der Schuldenlast von rund zwei Milliarden Mark zusammengebrochen.
Den vier Managern werden Betrug, Steuerhinterziehung, Bilanzfälschung, Kartellabsprachen und verbotene Doppel- und Dreifachgeschäfte vorgeworfen. Die Vorstandsmitglieder sollen bei ihren Scheingeschäften mindestens dreistellige Millionenbeträge illegal verdient und Gläubiger um Hunderte von Millionen Mark geprellt haben. Bei der Bielefelder Staatsanwaltschaft waren schon im Dezember 1992 anonyme Hinweise auf die kriminellen Machenschaften in der Balsam-Vorstandsetage eingegangen. Verhaftet wurden die Manager jedoch erst, nachdem die Presse über den Fall berichtet hatte – am 6. Juni dieses Jahres. Dem grünen Landtagsabgeordneten Michael Vesper hatte Krumsiek im Juli auf eine Anfrage hin das späte Eingreifen damit erklärt, daß sich erst mit dem Geständnis eines der Beschuldigten „konkret faßbare Anhaltspunkte für ein betrügerisches Verhalten“ ergeben hätten.
Glaubt man dem Bericht der Bielefelder Polizei, dann schrammt diese Darstellung an der Wahrheit zeimlich weit vorbei. Im dem fünfseitigen Schreiben weist die Polizei detailliert nach, daß sie der Staatsanwaltschaft immer wieder konkrete Anhaltspunkte über die Betrügereien geliefert hat. Doch die Staatsanwaltschaft blockte alle Ermittlungen ab. Auch knapp ein Jahr nach der anonymen Anzeige, so schreibt die Polizei, hatte die Staatsanwaltschaft „keinerlei Ermittlungen in dieser Sache getätigt“. Warum nicht? Der in Bedrängnis geratene Krumsiek hat gestern einen Oberstaatsanwalt aus Köln damit beauftragt, die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zu überprüfen. Walter Jakobs
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen