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Jusos ganz unten

■ Kandidat für den Bundesvorsitz übt herbe Kritik an der Verbandslinken

Bonn (taz) – Die Jungsozialisten (Jusos) laufen nach Ansicht eines kooptierten Mitgliedes des Juso-Bundesvorstands Gefahr, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Zwei Monate vor dem Bundeskongreß des SPD-Nachwuchsverbandes in Gera übte Stephan Grüger, aussichtsreicher Kandidat für die Wahl zum Bundesvorsitzenden, gestern in Bonn herbe Kritik an der Politik der gegenwärtigen Verbandsspitze um den Vorsitzenden Thomas Westphal. Die SPD forderte der 29jährige auf, einen Juso-Vertreter bei der Wahl zum Parteivorstand zu unterstützen.

Nach Einschätzung von Grüger liegt die Bedeutung der Jusos für die Mutterpartei SPD auf Bundesebene gegenwärtig „bei Null“. Auch in der Öffentlichkeit sei der Juso-Bundesverband nicht präsent. Die Gründe für diese Entwicklung sieht Grüger nicht nur im Verhalten Westphals, sondern auch in der „Kampagnenorientierung“ der von der Juso-Linken beherrschten Verbandsspitze. Dabei würden von oben bestimmte politische Themen vorgegeben, die von den regionalen Gliederungen dann nachvollzogen werden sollten.

Grüger kritisierte, daß mit dem klassisch-linken, rein ökonomischen Ansatz der gegenwärtigen Verbandsspitze jugendorientierte Themen wie etwa Drogenpolitik, Neue Medien oder Jugendarbeitslosigkeit und berufliche Bildung sträflich vernachlässigt würden. Auch die wichtige Kommunalpolitik sei vom Bundesverband „abgebügelt“ worden.

Grüger, der selbst aus der reformsozialistisch-undogmatischen Strömung stammt, will im Falle einer Wahl die Flügelkämpfe im Verband überwinden. Neben Grüger stellen sich in Gera vor rund 350 Delegierten der bayerische Landesvorsitzende Thomas Huber und der Rheinhesse Frank Moritz der Wahl. Auch Thomas Westphal tritt wieder an. Hans Monath

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