Jordanischer Prinz unter Hausarrest: König gegen Prinz

Es kriselt in Jordaniens Monarchie: König Abdullah II geht weiter gegen seinen Halbbruder Prinz Hamza vor. Der legt aus Protest seinen Titel ab.

Hashem, Hamza und Faisal bei Eröffnungszeremonie des jordanischen Parlaments 2007 Foto: Balkis Press/picture alliance

AMMAN taz | Der Streit im jordanischen Königshaus geht weiter. In einem öffentlichen Brief hat König Abdullah II angekündigt, dass sein Halbbruder, Prinz Hamza, nun unter Hausarrest steht. Auch seine Kommunikationsmöglichkeiten würden eingeschränkt. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Petra, die den Brief am Donnerstagabend veröffentlichte, sei ein entsprechendes Dekret erlassen worden.

In ungewohnt scharfen Worten kritisiert der König, Hamza lebe in einem „Zustand der Selbsttäuschung, in dem er sich als einziger Hüter des haschemitischen Erbes und Ziel eines systematischen Feldzuges unserer Institutionen sieht“. Sein Handeln sei unberechenbar, er habe sich seit dem vergangenen Jahr nicht geändert.

Prinz Hamza war im April vergangenen Jahres beschuldigt worden, in eine angebliche Verschwörung gegen den König involviert zu sein. Hamza lehnte die Anschuldigungen ab, schickte jedoch der britischen BBC ein Video, in dem er der jordanischen Regierung Korruption und Unfähigkeit vorwarf. Dabei behauptete er, unter Hausarrest zu stehen. Kurze Zeit später unterzeichnete er einen Brief, in dem er seine Loyalität dem König gegenüber beteuerte.

Nach den Putsch-Vorwürfen nahmen jordanische Sicherheitskräfte mehr als ein Dutzend Menschen fest. Bei dem entsprechenden Verfahren im Juli sind ein Ex-Chef des königlichen Hofes und ein Mitglied der Königsfamilie zu jeweils 15 Jahren Haft verurteilt worden, Hamza musste jedoch nicht vor Gericht. Das Königshaus gab bekannt, man wolle die Angelegenheit im familiären Kreis klären. Im März dieses Jahres veröffentlichte es einen Brief vom Prinzen, in dem er den König um Vergebung bat und sich für sein Handeln entschuldigte.

Prinz Hamza ist unter jordanischen Stämmen beliebt

Doch Anfang April postete Hamza noch einen Brief auf seinem Twitter-Account und legte seinen Adelstitel ab. Seine persönlichen Überzeugungen und Werte stünden „nicht im Einklang mit den Ansätzen, Trends und modernen Methoden unserer Institutionen“, so der 42-Jährige. Hamza war eigentlich designierter Kronprinz – bis 2004, als König Abdullah II ihm den Titel entzog und ihn seinem Sohn, Hussein, verlieh. Abdullah schrieb in dem gestrigen Brief, Hamza werde in Zukunft ein komfortables Leben führen können, jedoch nicht „den Raum haben, die Nation, ihre Institutionen und seine Familie zu beleidigen“ oder „Jordaniens Stabilität zu untergraben“.

Es ist ein ungewöhnlicher Ton angesichts der Zurückhaltung, mit welcher der König die familiäre Fehde bislang behandelt hatte. Die gesamte Situation sei jedoch außergewöhnlich, sagt der jordanische Politikexperte Amer al-Sabaileh. Und die Art, wie man damit umgegangen sei, löse „das Problem nicht, sondern macht nur die Lage komplizierter.“ Beim jüngsten Schritt handele es sich um die „komplette Ausradierung des Prinzen aus der jordanischen politischen Szene“.

Prinz Hamza ist offenbar unter jordanischen Stämmen, zumindest einem Teil davon, sehr beliebt. Der arabische Fernsehsender Al-Jazeera bewertet daher den Schritt, seinen Hausarrest in einem solchen Brief öffentlich zu machen, als potenziell riskant. Denn traditionell gelten die Stämme als Rückgrat der Monarchie.

Für al-Sabaileh sind die unmittelbaren Risiken für die Stabilität des Königshauses jedoch gering. „Die Theorie, dass die Stämme das Rückgrat der Monarchie sind, ist veraltet“, erläutert er. „Das große Problem ist momentan die wirtschaftliche Lage des Landes.“ Nach der Stagnierung der vergangenen Jahre, der hohen Arbeitslosigkeit und der Coronapandemie herrscht auch unter den Stämmen ein gewisser Frust, der sich in den vergangenen Monaten bei verschiedenen Protesten gezeigt hat.

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