: Jetzt noch mal mit Gefühl
Auf die Notausgabe 2021 folgt nun ein „Mittenmang“-Festival wie es sein soll
Festival „Mittenmang“: 25. bis 29. Mai, Theater Bremen. Programm unter: www.mittenmang-festival.de
Von Jan-Paul Koopmann
Schon wieder “Mittenmang“, möchte man sagen – zugleich aber auch: Lang ist’s her. Denn tatsächlich hat Bremens für gewöhnlich biennal ausgerichtetes Festival für inklusives Theater zwar gerade erst im vergangenen Jahr stattgefunden, nur war das eben eine Notausgabe im Zeichen der Pandemie. “Richtig Spaß hat das nicht gemacht“, sagt Festivalleiter Andreas Meder heute – und meint damit selbstredend nicht die Handvoll wackerer Inszenierungen, die es trotz allem nach Bremen geschafft hatten. Die waren für sich ja sogar ganz außerordentlich zauberhaft.
Nein, die Spaßbremse für Künstler:innen, Veranstaltende und Kuratierende war das, was eben nicht dabei sein konnte: Die üblich-verdächtigen internationalen Gäste waren plötzlich sehr weit weg. Wirklich proben konnte keine:r und die bis zuletzt wackligen Hygienebedingungen machten es auch dem Publikum schwer, sich auf so was wie Normalität einzulassen, worum es in Sachen Inklusivität ja nun gehen muss.
„Das wollten wir so nicht stehen lassen“, sagt Meder. Und auch vom gastgebenden Intendanten des Bremer Theaters, Michael Börgerding, heißt es, er sei ganz froh, mit dem Stolpern im zweijährlichen Takt nun endlich die Gleichzeitigkeit mit dem Performing-Arts-Festival „Outnow!“ abhaken zu können.
Auf den ersten Blick ist also alles wieder beim Alten: Fünf Tage lang bespielen Künstler:innen mit und ohne Behinderung das Theater. Neben lokalen Größen wie dem „Blaumeier-Atelier“ und „tanzbar bremen“ sind auch wieder internationale Produktionen am Start. Das dänische „Glad Teater“ verhandelt etwa die Blindheit seiner Darstellerin in einer sonderbar stillen Bildsprache – während das Londoner Kollektiv „Drag Syndrome“ ein umso lauteres Partyprogramm verspricht.
Auffällig sind die hochkarätigen freien Performancegruppen auf dem Programmzettel. Denn während Schauspieler:innen mit Behinderung über die vergangenen Jahre immer öfter auch im Normalbetrieb der Staats- und Stadttheater sichtbarer geworden sind, ist bei „Mittenmang“ tatsächlich doch eher die Avantgarde vertreten: Gruppen, die sich gerade nicht auf ihren politischen Anspruch reduzieren lassen, sondern auch künstlerisch etwas zu sagen.
Inklusive Theater werden kaum noch gegründet – heute ziehen Projekte durch die Lande. Und dafür braucht es Festivals. Gerne auch zwei Jahre in Folge.
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