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■ QuerspalteJe irrer, desto besser

SPD-Fraktionschef Rudolf Scharping ist offensichtlich wieder vom Fahrrad gefallen. Nein, diesmal will er nicht wieder Bundeskanzler werden. Aber für anderes Großes will Scharping sich stark gemacht haben. Jetzt outete er sich in der B.Z. als Förderer der Theatergemeinde. „Ich habe dafür gesorgt“, sagt der Mann mit dem Sturzhelm, „daß mit Claus Peymann einer der besten deutschen Intendanten ans Berliner Ensemble geholt wurde.“

Wie bitte? Scharping sei bisher nicht bekannt als Kulturpolitiker? Auch der eigentlich Zuständige für die Peymänner der Stadt hat sich verwundert die Augen gerieben. Peter Radunski, Kultursenator und Sportfan, legte nach. „Ich habe Ronaldo zu Hertha BSC geholt“, nahm der mittelstürmermäßig die Steilvorlage auf und gab eine Richtung vor, die Schule machen sollte. Lauter unerkannte Förderer der Berliner Politik- und Kulturszene gilt es also nun zu feiern: Wir warten auf die Meldung, daß Verkehrssenator Jürgen Klemann zugunsten von Schummel- Schumi auf sein Amt verzichtet – oder Innenrambo Schönbohm statt seines pensionsreifen Polizeichefs Saberschinsky den Schmuddelbullen Horst Schimanski an die Spitze der Sicherheitskräfte beruft. Auch vorstellbar wäre, daß Musicalproduzent Peter Schwenkow behauptet, den Heldentenor Placido Domingo als Vorsänger der Schöneberger Sängerknaben engagiert zu haben. Man sieht: Der Wettstreit um das Ansehen der Metropole kennt keine Schamgrenzen. Einzige Maxime dabei ist: Je irrer, desto besser. Hauptsache, es bringt die Stadt nach vorn – irgendwie. Rolf Lautenschläger, Bernhard Pötter

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