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„Jäger light“ ersetzt Jäger 90

Weil zu teuer, wurden die hochfliegenden Pläne für den Jäger 90 nun endgültig zu Grabe getragen/ Die Option für eine Billigversion des europäischen Kampfflugzeuges bleibt aber offen  ■ Aus Bonn Tissy Bruns

Die vorgesehenen 100 Millionen DM für den Jäger 90 wird Verteidigungsminister Volker Rühe nicht einsetzen, denn der ist „zu teuer und der Lage nicht mehr angemessen“. Allerdings: „Wir brauchen ein Jagdflugzeug. Das habe ich immer gesagt.“ Als die Unionsmatadore gestern zur CDU/CSU-Fraktionssitzung antraten, präsentierten sich alle Kontrahenten im Streit um das teuerste Rüstungsprojekt der deutschen Geschichte als Sieger. Die am Vortag gefällte, dem Vernehmen nach einstimmige Entscheidung sieht den Verzicht auf den „Jäger 90“ in der geplanten Form vor, der Weg zum Bau einer billigeren Version eines europäischen Jagdflugzeugs bleibt aber offen.

Die Diskussion um das von Anfang an umstrittene europäische Jagdflugzeug ist zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. Der Vorstoß Rühes, angesichts der neuen weltpolitischen Lage den „Ausstieg“ aus dem milliardenschweren Rüstungsprojekt zu vollziehen, hatte erwartungsgemäß die Rüstungslobby auf den Plan gerufen. In der Union stemmte sich vor allem die CSU gegen einen Verzicht, angeführt von Finanzminister Theo Waigel, der die Republik ansonsten zum eisernen Sparen anhält. Das teure Kampfflugzeug sollte in Bayern produziert werden.

Zögerlich war der Kanzler, der die europäischen Kooperationspartner beim Jäger-Projekt nicht vor den Kopf stoßen wollte. Das galt vor allem für Großbritannien. Bei den Partnerländern Spanien und Italien soll das Interesse am Jäger gesunken sein. Der Koalitionspartner FDP war bereit, den Jäger abstürzen zu lassen. Die bereits für letzte Woche vorgesehene Fraktionsentscheidung für oder gegen die Haushaltsmittel 1993 für den Jäger wurde auf Druck der CSU verschoben. Derweil wurde eine neue Version des Jagdbomber-Geschäfts ins Spiel gebracht. Der angesichts der Haushaltslage zu teure ursprüngliche Jäger, merkte man in der CSU, war politisch nicht mehr zu halten — aber warum nicht eine Billigvariante?

„Sehr zufrieden“ äußerte sich Erich Riedl (CSU). Kein Ausstieg, sondern die „Weiterentwicklung auf niedrigerem Niveau“, so interpretiert die CSU. Bis 1996 soll nun mit den bisherigen europäischen Partnern, vielleicht auch weiteren verhandelt werden, wie ein kostengünstigeres Modell entwickelt weren kann. Das hat zwar noch wenig konkrete Konturen, aber schon einen populären Namen: „Jäger light“, auch „Volksjäger“ genannt.

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