: "It never has been tried"
■ Betr.: "Nach, Hau weg den Scheiß' nun 'Behalt den Scheiß'", taz vom 12.2.90
betr.: „Nach 'Hau weg den Scheiß‘ nun 'Behalt den Scheiß'“, taz vom 12.2.90
Seinen Bericht vom grünen Technikkongreß in Duisburg verbindet Walter Jakobs mit einer strömungspolitischen Tendenzaussage: „Wenn die Zeichen... nicht trügen (W.J. meint seine realogefärbte Brille, R.L.), dann verlieren auch innerhalb der Grünen langsam jene an Einfluß, die immer noch festen Glaubens sind, daß die ökologischen und technologischen Probleme im wesentlichen aus kapitalistischen Eigentumsverhältnissen resultieren.“
Und weiter schreibt W.J. über den grünen Abgeordneten Briefs, „der dieser linken Glaubensrichtung weiter anhängt“, dieser sehe nicht die „Argumentationsschwäche seiner Kirche“. Darin steckt eine ganze Menge:
1. Die Ignoranz jener, die Eigentumsform und Produktionsweise nicht auseinanderhalten können. Ein Lektüretip für eine ausführliche Kritik der mit dem Kapitalismus entstandenen Produktionsweise: Otto Ulrich: Weltniveau - In der Sackgasse des Industriesystems, Berlin 1979. Bei Rudolf Bahro kann nachgelesen werden (Wer lesen kann, der lese: Die Alternative, Köln 1977, S. 310 ff), wie das ökonomische Prinzip der Profitmaximierung „mächtig in den real existierenden Sozialismus hineinregiert“ (Seite 310).
2. Der Zynismus, daß noch jemand an etwas glauben kann. Als tödlich sieht W.J. wohl das Wort „Kirche“ an. Während die Klimaveränderung aufgrund des kapitalistischen Raubbaus (und seiner realsozialistischen armen NachahmerInnen) ins allgemeine Bewußtsein tritt, schlagen Schreiber wie Walter Jakobs vor dem Wesen, das sich hinter den Erscheinungsformen der Umweltprobleme verbirgt, die Augen nieder: der Herrschaft der Sachen über die Menschen, der zerstörerischen Produktionsweise, die Alternativen in der Produktionsform, Technik und Arbeitsteilung nicht hat groß werden lassen. „It never has been tried“ wurde neulich richtig bemerkt.
Robert Lederer, Bochum
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