: Iran greift Kuwait mit Drohen an
Teheran droht den USA nach Angriffen auf iranische Frachtschiffe, trotz der Waffenruhe
Trotz der geltenden Waffenruhe im Irankrieg ist der kleine Golfstaat Kuwait von mutmaßlich iranischen Drohnen angegriffen worden. Die Streitkräfte hätten dort am Sonntagmorgen „mehrere feindliche Drohnen“ im eigenen Luftraum entdeckt und darauf reagiert, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten neuen Beschuss. Die Flugabwehr habe zwei iranische Drohnen erfolgreich abgewehrt.
Zuvor hatten die USA zwei iranische unbeladene Öltanker angegriffen und außer Gefecht gesetzt. Sie hatten laut US-Armee versucht, einen iranischen Hafen am Golf von Oman anzulaufen und damit die Seeblockade der USA zu brechen. Nach Angaben des für die Golfregion zuständigen US-Zentralkommandos wurden die beiden Schiffe am Freitag im Golf von Oman von US-Kampfflugzeugen beschossen. Bereits in der Nacht zuvor hatte es Gefechte in der strategisch bedeutenden Straße von Hormus gegeben.
Die iranischen Revolutionsgarden hatten daraufhin gedroht, US-Frachter in der Region anzugreifen. „Jeder Angriff auf iranische Öltanker und Handelsschiffe wird einen harten Gegenschlag gegen eine der amerikanischen Einrichtungen in der Region sowie gegen die feindlichen Schiffe nach sich ziehen“, erklärten die Revolutionsgarden am Samstag laut Staatsmedien. Am Sonntag wurde daraufhin ein Frachtschiff vor der Küste Katars beschossen und leicht beschädigt. Vom wem der Angriff ausging, blieb bislang unklar.
Die für den weltweiten Ölhandel bedeutende Meerenge in der Straße von Hormus war zu Beginn des Irankriegs Ende Februar von den iranischen Streitkräften weitgehend gesperrt worden. In der Folge schossen die Energiepreise weltweit in die Höhe. Seit April gilt in der Region eine Waffenruhe – die allerdings durch den sich wieder verschärfenden Konflikt um die Meerenge bedroht ist. Mitte April reagierten die USA ihrerseits mit einer Seeblockade.
Indes geht das Ringen um eine diplomatische Lösung weiter. Gespräche der Konfliktparteien unter der Vermittlung Pakistans könnten laut Wall Street Journal in der kommenden Woche erneut in Islamabad stattfinden. Zuletzt waren Pläne für weiteren Gesprächsrunden in der pakistanischen Hauptstadt mehrmals gescheitert. Der Iran übergab am Sonntag der Staatsagentur Irna zufolge seine Antwort auf den US-Friedensvorschlag an Vermittler Pakistan. Zum genauen Inhalt war zunächst nichts bekannt. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi telefonierte anschließend mit seinem türkischen Kollegen Hakan Fidan. Die Türkei setzt sich hinter den Kulissen ebenfalls für ein Ende des Konflikts ein.
Bei dem Vorschlag aus den USA handelt es sich um eine 14 Punkte umfassende Absichtserklärung. Deren Ziel ist es unter anderem, einen Rahmen für zunächst 30 Tage dauernde Verhandlungen zu schaffen, um den Krieg zu beenden. Diskutiert werden Medienberichten zufolge auch eine Lockerung von US-Sanktionen sowie Vereinbarungen zur Zukunft der Straße von Hormus. Zudem soll eine Grundlage für Verhandlungen über Irans umstrittenes Atomprogramm geschaffen werden. Russland ist nach den Worten von Präsident Wladimir Putin bereit, angereichertes Uran aus dem Iran abzutransportieren und einzulagern.
Großbritannien hat unterdessen seinen Zerstörer „HMS Dragon“ für einen möglichen Einsatz zum Schutz von Handelsschiffen in der Straße von Hormus entsandt. Unter Führung Frankreichs und Großbritanniens bereitet ein internationales Bündnis einen möglichen Marineeinsatz nach einem Ende der Kampfhandlungen vor. Auch Deutschland erwägt, sich mit Minenjagdbooten, einer Führungs- und Versorgungsplattform sowie seegestützter Aufklärung zu beteiligen. (dpa/afp/taz)
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