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Interview"Bei uns ist kein Mensch krank!"

■ Zweites Album von "Station 17" erschienen / Am 10. Juni wird "Genau so" in der Fabrik präsentiert / Projektleiter Kay Boysen über seine Band

INTERVIEW

„Bei uns ist kein Mensch krank!“ Zweites Album von

Station 17 erschienen / Am 10. Juni wird Genau so in der Fabrik präsentiert / Projektleiter Kay Boysen über seine Band

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In einem mit 70er Jahre-Gardinen ausgehängten Übungsraum-Saal legen ein Dutzend Musiker und Musikerinnen los. Ein Klang ohne Profilneurosen (Instrumental-Soli, Arrangements) und ohne Hang zum Pathos (Heavy Rock, lautstark hervorgehobene Effekte) entsteht: „Station 17“ probt in den Räumlichkeiten der evangelischen Stiftung Alsterdorf. Seit ein paar Jahren schon arbeitet Pfleger Kay Boysen und Mitglieder seiner früheren Band „Painless Dirties“ mit Behinderten in einem gemeinsamen Projekt. Weil die Probierlaunen längst inhaltliche Diskussionen dominieren, entstand das Material für das zweite Album „Genau so“ ausschließlich aus Improvisationen. Vor dem Übungssaal der Band legte Kay Boysen mit Kristof Schreuf eine Zigarettenpause ein.

Wie hat sich eure Vorgehensweise vom ersten zum zweiten Album geändert?

Am Anfang interessierten mich vorrangig die Sänger und Sängerinnen und deren Texe. Jeder Song bedeutete ein auf eine Person zugespitztes Unterfangen. Bald aber riet uns der frühere Can-Bassist Holger Czukay - er hat uns gerade ein überschwengliches Lob für Genau so auf den Anrufbeantworter gesprochen! - daß wir mehr auf „Atmosphäre“ achten und außerdem Konzerte veranstalten sollten. Mittlerweile haben hier eine Reihe Hamburger Bands gespielt, und wir selbst haben einige Auftritte hinter uns. Zusätzlich reichte das Geld nach dem ersten Album aus, um diesen Musikraum einzurichten und Instrumente zu besorgen. Bis auf eine Ausnahme entstanden die folgenden Stücke aus der gemeinsamen, regelmäßigen Band-Arbeit.

„Genau so“ liegt ein Booklet bei, in dem du klarstellst, daß „Station 17“ nicht für eine „Freak Show“ oder eine „Therapie“ steht. Wie wurde eure Arbeit bisher aufgenommen?

In einigen Artikeln versuchten die Autoren, den Bezug zu einer „Krankheit“ herzustellen. Ich sage es noch einmal: Bei uns ist kein Mensch „krank“! Natürlich bekommen auch Behinderte mal einen Schnupfen oder es geht ihnen schlecht und sie nehmen tatsächlich an einer Therapie teil. Das Ziel von „Station 17“ ist aber Musikmachen. Manche, die anriefen, damit sie berichten, verstanden nur: „Da werden Behinderte vorgeführt“. Diese Leute stecken voller guter Absichten, taten sich aber schwer damit zu erkennen, um was es uns geht. Aus Ängsten heraus und dem Druck, diese nicht zugeben zu wollen, entstanden Artikel, die wir für uns als „positive Diskriminierung“ zusammenfassen.

Im vergangen Jahr habt ihr an einer im dritten Programm übertragenen Kabarett-Fernsehsendung teilgenommen. Das Publikum war sich die meiste Zeit über nicht sicher, ob man „Sozial“-Beifall spenden, oder sich nur die Musik anhören sollte. Wie reagiert das Publikum im allgemeinen bei euren Auftritten?

Leute, die sich nicht sicher sein wollen, welche Musik sie in den nächsten anderthalb Stunden hören, mögen uns. Ansonsten haben wir auch schon mal ein „ihr könnt ja gar nicht singen“ zur Bühne rübergerufen bekommen. Ein nicht ganz offensichtlicher Punkt: Leute, die nicht wegen der Musik kommen, haben bei uns eigentlich nichts verloren. Leute, die schräge Klänge mögen, können mehr mit uns anfangen.

Meinst du mit „schräg“ eine maximale Entfernung vom Melodien- und Rhythmen-Pool der Beatles?

Ich meine „schräg“ im Sinne der Musik unserer beiden Untergruppen, der „Rock Fraktion“ und der

1„Jazz Fraktion“. Ohne Konkurrenz und mit manchmaligen Überschneidungen hat es sich so ergeben, daß einige von uns ruhige Klänge bevorzugen und andere eher eine rockige Version eines Can-Drive mögen.

Station 17, Genau so, What's So Funny About/Indigo

Konzert am 10. Juni, Fabrik

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