Infektionszahlen an Bremer Grundschulen: Mutante mag Kinder

An den Grundschulen in Bremen gibt es keine Masken- und Testpflicht. Die Infektionszahlen in dem entsprechenden Alterssegment steigen rasant.

Kinder mit Maske in einem Klassenraum.

Mit Maske lernen ist nicht schön, aber möglich Foto: Marco Passaro/Imago

BREMEN taz | Noch nie seit Beginn der Pandemie waren so viele Bremer Grundschulkinder mit Covid-19 infiziert wie jetzt. 53 positiv getestete Schü­le­r*in­nen gibt es nach Angaben der Bildungsbehörde in der Stadt Bremen mit Stand vom Freitag. Das sind mehr als doppelt so viele wie zum bisherigen Höhepunkt des Infektionsgeschehens Ende November.

Gemessen an der Gesamtzahl von Grund­schü­le­r*in­nen mag das wenig erscheinen: Es gibt 23.611 Grund­schü­le­r*in­nen in der Stadt Bremen. Aber zum einen ist das nur die Zahl der erkannten Infektionen, und gerade Kinder erkranken oft symptomarm. Zum anderen steigen die Zahlen stark an: Zwei Wochen zuvor hatte die Bildungsbehörde nur drei positiv getestete Grund­schü­le­r*in­nen auf ihrer Homepage vermeldet.

Dabei wird dort nur die Gesamtanzahl an bestätigten Infektionen genannt – nicht aber die Entwicklung der Neuinfektionen. Diese steigen gerade bei Kindern bundesweit besonders stark an.

In Bremen ist laut Robert-Koch-Institut die Altersgruppe mit der höchsten 7-Tages-Inzidenz gerechnet auf 100.000 Ein­woh­ne­r*in­nen die der 5- bis 9-Jährigen. In dieser Altersgruppe lag die Inzidenz in der vergangenen Woche bei 215, in der davor bei 128 und davor bei 64. Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei den 10- bis 14-Jährigen: Hier liegt die 7-Tages-Inzidenz bei 206. In Hamburg liegen die Werte etwas darunter, in Berlin darüber.

Eine Sprecherin der Bildungsbehörde wies darauf hin, dass es sich überwiegend um Einzelfälle an 17 von 78 öffentlichen Grundschulen handele. Nur an dreien habe es mehrere Fälle gegeben. Diese seien über die Schnelltests entdeckt worden.

Seit zwei Wochen können sich Schü­le­r*in­nen und Leh­re­r*in­nen zweimal wöchentlich selbst testen. Dabei gab es in der vergangenen Woche bis Freitag 23 positive Tests, von denen 19 durch PCR-Tests bestätigt wurden. Die Hälfte waren der Sprecherin zufolge an einer Grundschule, die anderen verteilen sich auf andere Grund- sowie weiterführende Schulen.

Tests sind nicht verantwortlich für Anstieg

Der starke Anstieg bei Grundschulkindern ließe sich nicht mit mehr Tests erklären, sagt Hajo Zeeb, Abteilungsleiter am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS), der unter anderem die Bildungssenatorin berät. „Es ist kein ganz eindeutiges Bild.“ Es könne sich immer noch um eine Momentaufnahme handeln. Dennoch würden die Zahlen bestätigen, was seit einigen Monaten bekannt sei: dass Kinder und Jugendliche sich häufiger mit der dominanten Virus-Mutation aus Großbritannien anstecken als mit dem Wildtyp.

Auffällig ist auch, dass sich, anders als im Herbst zum bisherigen Höhepunkt der Pandemie, offenbar verstärkt jüngere Schü­le­r*in­nen infizieren. Denn an den weiterführenden Schulen sind aktuell nur 34 Positivfälle gemeldet. Am 20. November waren es 128 gewesen. Die 7-Tages-Inzidenz beträgt bei den 15- bis 19-Jährigen 148 – weniger als bei den 35- bis 44-Jährigen.

In Bremen werden ab der Klasse 5 nur halbe Klassen unterrichtet – in der Grundschule ganze mit bis zu 25 Kindern in einem Raum. Bremen ist dabei neben Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen das einzige Bundesland, in dem Grundschü­ler*innen keine Maske im Unterricht tragen müssen. In Bremen nicht einmal auf den Fluren.

Der Epidemiologe Hajo Zeeb sagte der taz, es wäre jetzt sinnvoll, auch in Grundschulen eine Maskenpflicht einzuführen, wenn man die Schulen weiter geöffnet lassen wolle. Stephanie Dehne, Sprecherin der Bildungsbehörde, sagte am Montag, die Maskenpflicht werde derzeit geprüft. Ebenso werde über eine Testpflicht für alle Bremer Schüle­r*in­nen nachgedacht.

Die Bildungssenatorin Claudia Bogedan befürworte die Testpflicht. Auch die Bremer Grünen hatten sich am Donnerstag in einer Landtagssitzung dafür ausgesprochen. Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Mustafa Güngör, und Bürgermeister Andreas Bovenschule (SPD) hatten sie dagegen abgelehnt, Bovenschulte aus juristischen Gründen.

In Sachsen hat nun das Oberverwaltungsgericht die Rechtmäßigkeit von Tests bestätigt. In den sozialen Medien fragen User*innen, warum Schulen Kinder nach Hause schicken dürfen, wenn ihre Eltern sie nicht auf Kopfläuse untersuchen, nicht aber, wenn sie den Corona-Selbsttest verweigern.

Diese Tests sind minimal invasiv, die Schü­le­r*in­nen stecken sich selbst ein Wattestäbchen in die Nase – so weit sie es aushalten. In der ersten Woche waren dennoch nur rund 15.300 Tests mit Schü­le­r*in­nen durchgeführt worden, in der zweiten 34.700. Das ist nicht identisch mit Teilnehmenden: Viele dürften an zwei Tests teilgenommen haben. Es gibt 73.833 Schüle­r*in­nen in Grund- und weiterführenden Schulen.

Hajo Zeeb wies auf die begrenzte Sensitivität der Schnelltests gerade bei Kindern hin. Von zehn Infektionen würden drei bis vier nicht durch Schnelltests gefunden. Stephanie Dehne sagte, die Schnelltests seien trotzdem sinnvoll. Dank ihrer sei es möglich, die Infektionsketten zu unterbrechen. Wie es nach den Osterferien, die am Montag begonnen haben, weitergeht, sei unklar, sagte sie. „Der Senat muss dazu noch tagen.“ Wann er das tut, sei allerdings offen.

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