Infektionsherde im Großraum Lissabon: Das Ende der „neuen Normalität“

Bislang kam das südeuropäische Land glimpflich durch die Corona-Krise. Neue Infektionen sorgen für Einschränkungen im Großraum Lissabon.

Eine Hand mit mit Handschuh hält einen Test

Es wird mehr getestet und es gibt mehr bestätigte Coronainfektionen in Portugal Foto: Raul Zamor/Antonchile/imago

MADRID taz | Portugal galt von März bis Mai als Musterschüler schlechthin, wenn es um das Coronavirus ging. Die Infektionsrate war wesentlich geringer als etwa im benachbarten Spanien oder in Italien. Schnelle und umfangreiche Tests hatten Ausmaße wie in den anderen beiden südeuropäischen Ländern verhindert. Doch nach der Rückkehr zu einem mehr oder weniger normalen Leben wendet sich das Blatt.

Mehrere Infektionsherde in und um die Hauptstadt Lissabon lassen die Quote von Neuinfektionen nach oben schnellen. Rund drei Viertel aller Neuerkrankungen stammen aus dem Großraum Lissabon. Deswegen hat die portugiesische Regierung ihre Corona-Auflagen für die Metropolregion Lissabon bis mindestens Ende Juli verlängert. Fast im gesamten Land mit Ausnahme von Lissabon und seiner Umgebung gingen die Neuinfektionen zurück, begründete die Regierung ihre Entscheidung nach einer Dringlichkeitssitzung am Dienstagabend.

Insgesamt wurden bisher in Portugal 47.051 Fälle bestätigt, 1.668 Menschen starben an Covid-19. Während Spanien am 21. Juni den Lockdown endgültig beendete, ging Portugal ab dem 2. Mai in die „neue Normalität“. Die Grenze zwischen beiden Ländern ist seit Mitte vorvergangener Woche wieder offen. Beiderseits der Grenze besteht strikte Maskenpflicht in geschlossenen Räumen sowie dort, wo kein entsprechender Sicherheitsabstand eingehalten werden kann.

„Die einzige wirksame Form, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, ist, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben und stets die soziale Distanz sowie alle Schutz- und Hygienestandards einhalten“, mahnt der sozialistische Ministerpräsident Antonio Costa.

Ein Treppe in einer Altstadt.

Drei Viertel aller Neuerkrankungen stammen aus dem Großraum Lissabon Foto: Armando Franca/ap

Rund 700.000 Menschen unter Ausgangssperre

20 Gemeinden in Lissabon und dem Tejo-Tal stehen weiter unter Ausgangssperre. Die rund 700.000 Bewohner dürfen die Wohnung nur verlassen, wenn sie einkaufen gehen, zur Arbeit fahren oder einen Arzt oder eine Apotheke aufsuchen.

Versammlungen sind nur noch mit maximal fünf Personen erlaubt. Auch in den Gemeinden und Stadtteilen rund um diese Zonen wurde das tägliche Leben stark eingeschränkt. Hier sind Versammlungen bis zu zehn Personen erlaubt, Kneipen und Restaurants schließen um 20 Uhr, Geschäfte um 22 Uhr.

Es ist ein harter Schlag für das Land im Südwesten Europas. Dank der glimpflich verlaufenen ersten Phase der Pandemie warb Portugal als sicheres Urlaubsziel um internationale Touristen. Jetzt weist beispielsweise das deutsche Auswärtige Amt auf die neuen Infektionsherde in und um die Hauptstadt hin. Und die holländischen Behörden setzten Lissabon und Porto gar von Warncode Gelb auf den nächsthöheren Code Orange. Von Urlaubsreisen in die beiden Großstadtregionen wird dringend abgeraten.

Besonders besorgt über die Lage in Portugal ist die UEFA. Der europäische Fussballverband will ab dem 12. August die verbleibenden Spiele der Champions League in Lissabon austragen. Das Endspiel soll am 23. August stattfinden. Die Entscheidung für Lissabon fiel wegen der damals geringen Infektionsquote.

Nach ihrem letzten Treffen Anfang Ende Juni gaben sich UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und Ministerpräsident Costa betont optimistisch. Sie erklärten, dass es nicht erforderlich sei, nach Alternativen zu suchen. Costa erklärte, dass „alle Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass wir dieses Turnier auf sichere Art und Weise ausrichten können“.

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