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In Zehlendorf gegen Hussein

Oppositionsgruppe besetzt irakische Botschaft in Zehlendorf. Polizei riegelt das Gelände weiträumig ab. Ein leicht Verletzter. Andere oppositionelle Irak-Gruppen distanzieren sich von der Aktion

von ANETT KELLER und SEBASTIAN SEDLMAYR

Eine Gruppe von zehn bis zwölf irakischen Oppostionellen hat gestern gegen 14.30 Uhr die irakische Botschaft besetzt. Das Gebäude in der Riemeisterstraße in Zehlendorf wurde von der Polizei weiträumig abgesperrt. Die Besetzer hätten die Mitarbeiter mit Waffen bedroht und mehrere Personen in ihre Gewalt gebracht, so die Polizei. Eine Person sei mit Reizgas verletzt worden. Die Polizei ging von weniger als zehn Geiseln aus. Anwohner sagten, sie hätten Schüsse gehört. Die Besetzung dauerte bei Redaktionsschluss noch an.

Unter den Geiseln in der irakischen Botschaft befand sich laut Polizei auch der Geschäftsträger der Botschaft, Shamir A. Mohammed. Ein Botschafter ist in der irakischen Vertreung derzeit nicht eingesetzt.

Wie ein Sprecher der „Demokratische Irakische Opposition Deutschlands“ (DIOD), die sich zur Besetzung bekannte, der taz sagte, sei die Gruppe von einem Botschaftsmitarbeiter beschossen worden. Der Schütze sei flüchtig, „wahrscheinlich vom Geheimdienst“, so der Sprecher. Er stehe in telefonischem Kontakt zur Botschaft, deren Mitarbeiter sich solidarisch erklärt hätten. Es gäbe keine Geiselnahme und keine Verletzten. Lediglich zwei Deutsche, die sich „zum Zeitpunkt der Aktion“ in der Botschaft befanden, hätten diese, möglicherweise unter Schock stehend, verlassen. Dass dies noch vor dem Eintreffen der Polizei geschehen sei, so der Sprecher, sei ein Zeichen, dass die DIOD keine Gewalt im Sinne habe. Die Polizei bestätigte, dass zwei Personen das Gebäude verlassen hätten. Zur Nationalität wurden keine Angaben gemacht.

Ein weiteres DIOD-Mitglied sagte der taz, Gewalt gehöre nicht zu den Grundlagen der Organisation. Auch in einem Bekennerschreiben der Organisation war von einer „friedlichen und zeitlich begrenzte Aktion“ die Rede. Es sei der „erste Schritt gegen das Terrorregime Saddam Husseins“. „Wir übernehmen die irakische Botschaft und somit den ersten Schritt in Richtung Befreiung unseres geliebten Vaterlandes“, hieß es in dem Schreiben weiter. Ihr Ziel sei der Sturz Saddam Husseins, dafür habe man die deutsche Öffentlichkeit sensibilisieren wollen.

Der Sprecher der „Koalition für einen demokratischen Irak“, Hans Branscheidt, verurteilte die Aktion. Hinter der „Demokratischen Irakischen Opposition Deutschlands“ vermutete er eine Splittergruppe von sunnitischen irakischen Moslems, die früher einmal der herrschenden Baath-Partei nahe gestanden haben sollen. Möglicherweise habe sich diese Gruppe bei den Gesprächen mit irakischen Oppositionsgruppen über einen möglichen Umsturz in Bagdad unterrepräsentiert gefühlt.

Auch nach Erkenntnissen von Volker Perthes, Leiter des Nahost-Programms der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, handelt es sich vermutlich um eine Splittergruppe. Die bekannten und in Deutschland agierenden Oppositionsgruppen – hauptsächlich kurdische Parteien – neigten nicht zu entsprechenden Taten.

Die irakische Botschaft war erst im Juli von Bonn nach Berlin gezogen. Nach dem Golfkrieg emigrierten mehr als eine halbe Million Iraker ins Ausland. Insgesamt leben in Berlin rund 2.500 Menschen aus dem Irak, darunter viele kurdische Flüchtlinge.

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