: Immer auf die Kleinen
■ Waigel versucht erneut, Arbeitslosenhilfe zu befristen
Berlin (AP/dpa/taz) – Die Arbeitslosen sollen auch künftig weiter zur Konsolidierung des Staatshaushalts beitragen. Anläßlich des Etatentwurfs für den Bundeshaushalt 1995 bestätigte Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU), sich erneut für die Begrenzung der Arbeitslosenhilfe auf zwei Jahre einzusetzen. Das umstrittene Vorhaben war schon einmal im Bundesrat gescheitert.
Auf einer Klausurtagung der Bonner CSU-Landesgruppe sagte Waigel, er erwarte von der Bundesregierung Unterstützung für sein Vorhaben. Das Finanzministerium verwies darauf, daß ohne die Neuregelung die Ausgaben für die Arbeitslosenhilfe von 7,1 Milliarden Mark im Jahre 1991 auf 20 Milliarden Mark im Jahre 1995 steigen würden. Die Begrenzung der Arbeitslosenhilfe auf zwei Jahre soll den Bund 1995 um 4,3 Milliarden Mark und im Folgejahr um 6,5 Milliarden Mark entlasten. Für Arbeitnehmer von 55 Jahren an soll es eine Sonderregelung geben.
Kämen Waigels Pläne durch, müßten Erwerbslose, die schon zwei Jahre lang Arbeitslosenhilfe beziehen, dann einen Antrag auf Sozialhilfe stellen. Da sich die Arbeitslosenhilfe nach dem früheren Verdienst orientiert, die Sozialhilfe aber nach der Bedürftigkeit, müßten viele Langzeitarbeitslose mit Einkommenseinbußen rechnen.
Die SPD warf dem Finanzminister vor, mit der geplanten neuen Regelung nur einen „Verschiebebahnhof“ einzurichten. Durch den Zustrom an Sozialhilfeempfängern würden die Länder und Kommunen als Sozialhilfeträger 1995 um drei Milliarden und 1996 um vier Milliarden Mark zusätzlich belastet. Bremens Bürgermeister und Bundesratspräsident Klaus Wedemeier (SPD) kündigte den energischen Widerstand der SPD-regierten Länder im Bundesrat gegen ein entsprechendes neues Gesetz an. BD
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen