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Im Land der Ferne

Das Bremer Theater fasziniert mit der Bühnenfassung des Astrid-Lindgren-Märchens „Mio, mein Mio“

Zweieinhalb Stunden mucksmäuschenstill waren die Kinder, als sie bei der Premiere des diesjährigen „Weihnachtsmärchens“ den mutigen Abenteuern des Prinzen Mio folgten. Das zeigt einmal mehr, dass Kinder sehr wohl über die häufig schwachsinnigen Attraktionen der Fernsehsendungen hinaus interessiert werden können. Es braucht allerdings mehr denn je eine absolute Könnerschaft der Ausführenden. Und die kann man der erfahrenen Irmgard Paulis, die nun schon seit vielen Jahren mit ihren Inszenierungen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene begeistert, und dem Schauspielensemble des Bremer Theaters ohne Einschränkung erneut bestätigen.

„Mio, mein Mio“ von der in diesem Jahr im Alter von 94 Jahren verstorbenen schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren ist die 1954 erschienene Geschichte eines von seinen Pflegeeltern nicht geliebten Jungen, der sich aufmacht, seinen Vater zu suchen. Der Neunjährige findet ihn im Land der Ferne und besiegt – indem er seine eigene Angst bewältigen muss – den bösen Ritter Kato mit dem steinernen Herzen und der eisernen Hand. Das geht natürlich nicht ohne solche Hilfsmittel wie Tarnmantel, Zauberflöte,Wunderschwert und fliegendes Pferd. Und es geht nicht ohne einen allerbesten Freund – den Jum-Jum.

Die Bilder, die Paulis schafft, überzeugen in der zauberhaften Einfachheit der Mittel, in den richtigen Tempi und in der Phantasie der Farben und Formen (entsprechend fesselndes Bühnenbild von Nicola Reichert und wunderschöne Kostüme von Christine Mayer). Paulis hat auch die Bühnenfassung geschrieben: Sie funktioniert gut und nimmt Lindgrens dichterische Kraft, die einige Literaturkritiker als ihr Meisterwerk bezeichnen, durchaus auf.

Felicitas Breest und Christoph Brüggemann als Mio und Jum-Jum hatten die schwierige Aufgabe, neunjährige Kinder zu spielen, was häufig genug schief geht. Nicht hier, denn beiden gelang perfekt die Gesten- und Körpersprache von Kindern. Besonders Felicitas Breest rührte zutiefst in ihrer spannungsvollen Erregung und in ihrem leidenschaftlichen Kampf gegen das Böse. Die Erwachsenen rollten charakteristische Facetten von abwechslungsreicher Vielfalt auf, zum Teil in nicht wiedererkennbaren Doppelbesetzungen. Als besonders erwähnenswert darf Sean Wood als Pferd Miramis bezeichnet werden: Seine tänzerische Wiedergabe war witzig, zauberhaft und sportlich.

Die Musik von David Malazonia trug nicht durchgehend, besonders die Lieder wirkten eher schwerfällig. Gut hingegen war die Konzeption sehr zurückhaltender, aber präziser Untermalungen. Und schön war auch, dass die fünf MusikerInnen (in der interessanten Besetzung Kontrabass, Flöte, Harfe, Schlagzeug, Gitarre und Geige) auf der Bühne saßen und das Geschehen live kommentierten.

Viel gerechter Beifall am Ende für diese gelungene Aufführung für Kinder ab sechs Jahren, die erste im „neuen“ Spielort Musicaltheater am Richtweg.

Ute Schalz-Laurenze

nächste Aufführungen: 16., 22., 23., 24., 29., 30. Oktober, jeweils 11 Uhr

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