IFA in Berlin: Die Roboter rufen
Anfang September zieht die Internationale Funkausstellung allerlei Technik-Begeisterte zur Berliner Messe. Die Branche scheint das zu brauchen.
Weg also vom reinen „Business to Business“-Programm, mit dem die IFA seit 1924 Erfinder und Investoren vernetzt hatte. Das Kürzel IFA stehe nun für „Innovationen für alle“, sagt Lindner. Damit die Besucher auch die Kassen füllen, hat er die Werbestrategie kräftig hochgefahren. Neben Plakaten an Bahnhof, Flughafen und Litfaßsäulen sollen dieses Jahr auch doppelt so viele Influencer wie sonst Lust machen, zu konsumieren. „Wir schauen, dass wir die nächste Generation an uns binden“, sagt Lindner.
Und weltoffen sei man dafür in seinen Partnerschaften gewesen. So fuhr die IFA mit dem House of Pride auf dem Christopher Street Day durch Berlin. Lindner selbst sei „lustigerweise“ auf einem Wagen gewesen, erzählt er vergnügt, „und habe dit Jjanze mal von oben anjeguckt“.
Die Tech-Branche scheint das zu brauchen. Der Hemix Deutschland fällt seit 2022 jedes Jahr. Das ist ein Index, der unter anderem die Verkaufsmenge von Elektrotechnik an Privatkonsumenten misst. Auch im ersten Halbjahr 2025 sank der Index wieder um 0,9 Prozent. Das sei aber nur ein kleines Minus, findet Marktexpertin Sara Warneke. Die Leute seien eben von Zöllen, Krieg und Krisen verunsichert. Da würden sie sich öfter fragen, ob was mit den Produkten anzufangen sei. Das ist natürlich Gift für jede Branche.
Nur noch fünf Tage
Solange die Messebesucher nach in die Stadt strömen, kann das dem Land Berlin egal sein. Es ist der alleinige Gesellschafter der Berliner Messe. Und Messen jeder Art gehören zu den wichtigsten Einnahmen von Kommunen. Im letzten Jahr erzielte die Berliner Messe insgesamt fast 500 Millionen Euro Umsatz. Über 50 Millionen blieben als Überschuss übrig.
Hinzu kommt, dass die vielen „Tech-Enthusiasten“ auch die lokale Wirtschaft ankurbeln. Etwa, in dem sie Hotelzimmer mieten oder in Restaurants essen gehen. Bei angeschlagener Haushaltslage sind das gute Nachrichten.
Für die Berliner:innen bedeutet das aber auch, vieles ertragen zu müssen: Noch mehr Autos, die Autobahnen und Innenstadtbezirke verstopfen. Unerträglich viele Touristen, die Berlins Unsehenswürdigkeiten begaffen. Und nicht zuletzt mehr oder weniger erfolgreiche Kleinunternehmer, die in Kneipen erzählen, wie sie sich zu „CEOs“ gekrönt haben. Es sind ja nur fünf Tage.
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