Huthis im Jemen: Raketenangriff auf Tankstelle

Mindestens 21 Zi­vi­lis­t*in­nen sind bei Angriffen der Huthis im Jemen getötet worden. Es handele sich um ein Kriegsverbrechen, sagt die Regierung in Sanaa.

Militätposten: drei Männer mit Maschinengewehren, Munition und Fahrzeugen

Jemenitischer Militärposten in der Nähe der stark umkämpften Stadt Marib im März Foto: Ali Owidha/reuters

SANAA dpa | Bei einem Raketenangriff auf eine Tankstelle im Jemen sind mindestens 21 Zivilisten getötet worden. Die Huthi-Rebellen feuerten die ballistische Rakete am Samstagabend in der stark umkämpften Stadt Marib ab, wie Informationsminister Muammar al-Arjani sagte.

Kurz darauf seien mehrere Krankenwagen, die zu Opfern des Angriffs fuhren, von einer mit Sprengstoff beladenen Drohne getroffen worden. Unter den Todesopfern sei auch ein Kind, sagte al-Arjani der Staatsagentur Saba zufolge. Fünf weitere Menschen seien verletzt worden. Der Angriff sei als Kriegsverbrechen einzustufen.

Die Huthi-Rebellen äußerten sich zunächst nicht. Sie hatten das stark verarmte Land auf der Arabischen Halbinsel 2014 überrannt und kämpfen seitdem gegen die jemenitische Regierung. Diese wird von einem Militärbündnis unter Führung Saudi-Arabiens unterstützt. Die Huthis werden von Saudi-Arabiens Erzfeind Iran unterstützt und kontrollieren heute die Hauptstadt Sanaa und große Gebiete im Norden.

Die angegriffene Tankstelle liegt unweit einer Front in Marib, einer strategisch wichtigen Stadt östlich von Sanaa. Von dort wird ein Großteil der jemenitischen Öl- und Gasproduktion kontrolliert. Die Huthis versuchen mit einer Offensive seit Februar erneut, die Stadt einzunehmen. Aussichten auf eine Waffenruhe in dem Bürgerkrieg gibt es trotz Vermittlungsversuchen durch die Vereinten Nationen, die USA, den Oman und Kuwait derzeit nicht.

Ein Raketenwerfer wird von einem Jeep abgefeuert

Jemenitische Regierungstruppen feuern im März auf Huthi-Kämpfer Foto: Ali Owidha/reuters

Die humanitäre Lage im Jemen ist katastrophal. Fast 50.000 Menschen im Land haben so wenig zu essen, dass das Welternährungsprogramm (WFP) bereits von Hungersnot-ähnlichen Zuständen spricht. Weitere fünf Millionen Menschen stehen unmittelbar vor einer Hungersnot.

Durchschnittlich stirbt im Jemen alle zehn Minuten ein Kind wegen vermeidbarer Krankheiten. Die Kämpfe um Marib haben 25.000 Menschen zu Vertriebenen gemacht, in den kommenden Monaten könnten es dort nach Schätzung von Hilfsorganisationen 385.000 Vertriebene werden.

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