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Hungerstreik für einen See

Holzgau/Tirol (taz) – Der Tourismus-Obmann der kleinen Fremdenverkehrsgemeinde Holzgau im Tiroler Lechtal ist in den Hungerstreik getreten. Seit nunmehr 18 Tagen protestiert Fremdenverkehrschef Wolfram Huber gegen die Verschleppung eines ihm am Herzen liegenden Seenprojektes.

Angefangen hatte alles mit einer 4-Millionen-Schilling-Spende eines Schweizer Industriellen. Dieser war jahrelang Jagdpächter in Holzgau und wollte sich im Alter seiner österreichischen Lieblingsgemeinde gegenüber etwas erkenntlich zeigen. Das Geld sollte zur Anlage einer Seenlandschaft genutzt werden. Dafür erhielt der Industrielle Claus Cramer kurz vor seinem Ableben sogar einen Orden, und zwar die höchste Auszeichnung, die es für einen Nichtösterreicher gibt.

Doch plötzlich will man die künstliche Seenlandschaft nicht mehr. Trotz bestehender Zusagen sei auch der Bürgermeister der Gemeinde, Hubert Moosbrugger, vom Befürworter zum Gegner geworden, berichtet Wolfram Huber. Der Gemeindechef seinerseits erklärt, er stimme inzwischen der Auffassung des Naturschutzbeirates der Landesregierung zu, derzufolge es in einer sowieso schon sehr schönen Gegend nicht auch noch künstlicher Seen bedürfe.

Für Wolfram Huber ist das alles wenig überzeugend. Er will das Seenprojekt um jeden Preis durchsetzen, weil das Land Tirol genau das der Industriellenfamilie fest zugesagt habe. Um der Sache Nachdruck zu verleihen, brach er am 23. März nachts um 3.30 Uhr im Lechtal zu einem Protestfußmarsch über die Berge ins 120 Kilometer entfernte Innsbruck auf. In der Landeshauptstadt wollte er beim Landeshauptmann (entspricht einem Ministerpräsidenten) für das Seenprojekt demonstrieren. Umsonst: Der Landeshauptmann ignorierte den Tourismusmann kurzerhand.

Nun ist er in den Hungerstreik getreten. „Das ziehe ich durch, bis ich umfliege“, sagte er im Interview. Noch gehe es ihm einigermaßen gut. Aber er stehe unter ärztlicher Aufsicht. Außerdem will er von seinem Posten zurücktreten, wenn bis 11. Mai keine Entscheidung für den „Cramersee“ gefallen sein sollte. Klaus Wittmann

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