piwik no script img

Hooligan widerruft

■ Silvio Meier provozierte Täter nicht

Berlin (AFP) – Im Fall des getöteten 27jährigen Hausbesetzers Silvio Meier ist es zu einer überraschenden Wende gekommen. Der 17jährige Berufsschüler, der die Tat gestanden hatte, widerrief seine frühere Aussage, er sei von Meier bedroht worden und habe dann zugestochen. Wie die Berliner Kriminalpolizei mitteilte, gab der Jugendliche nun zu, er habe Meier und dessen Freunde mit seinem eigenen Messer angegriffen. Die Hausbesetzer seien nicht bewaffnet gewesen. Zuvor war ein 16jähriger Mittäter festgenommen worden, der der ursprünglichen Version seines Freundes widersprochen hatte. Der 16jährige gab an, auch er habe auf zwei Personen eingestochen. Damit ist offen, wer Meier die tödlichen Wunden beigebracht hat. Nach vier weiteren Begleitern der Tatverdächtigen wird weiter gefahndet.

Aufgrund der Aussage des 16jährigen habe der Berufsschüler eingeräumt, daß er und seine Begleiter nach einer ersten Rempelei erneut auf die Hausbesetzer zugegangen seien. Dabei sei er entgegen seiner bisherigen Aussage weder mit einem Messer noch mit einer Schreckschußpistole bedroht worden. Eine Verletzung an der rechten Schläfe, mit der er dies belegen wollte, habe er sich selbst beigebracht.

Durch die neuen Aussagen der Tatverdächtigen wurde die ursprüngliche Schilderung der Messerstecherei durch Angehörige der Hausbesetzerszene in weiten Teilen bestätigt. Allerdings werde die Einschätzung, es habe sich um gezielte Gewalt von Rechtsradikalen gegen Links gehandelt, durch die Aussagen der Tatverdächtigen nicht gestärkt, sagte ein Polizeisprecher. Auch der 16jährige habe angegeben, er habe die Hausbesetzer nicht als „Linke“ erkannt, und es seien bei dem Streit auch keinerlei politische Sprüche gefallen.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen