Homophober Torwart entlassen: So richtig daneben gegriffen
Der dänische Fußballklub Midtjylland entlässt seinen Torwart, weil dieser Schwule hasst. Das war herausgekommen, weil er in seiner Autobiografie schrieb, Schwule seien "zum Kotzen".
Bild:
Zumindest nachträglich begreift es Arek Onyszko. "Ich bin nicht sauer auf den Verein", beteuerte er am Dienstag. "Ich verstehe, warum sie mich gefeuert haben." Der dänische Erstligaverein FC Midtjylland, für den der polnische Fußballprofi seit Juli im Tor stand, reagierte ohne zu Zögern.
Am Montag war Onyszkos Autobiografie "Fucking Polak" erschienen, in dem der 35-Jährige mitteilt, er finde Homosexuelle "zum Kotzen" und schreibt: "Ich hasse Schwule, das tu ich wirklich." Am gleichen Tag wurde ihm gekündigt.
"Nachdem wir das Buch gelesen haben, sehen wir leider keinen anderen Ausweg", erklärte der Verein: "Erst im Sommer hatten wir ihm nach seinen Gewalttaten in der Vergangenheit eine neue Chance geboten. Er hat jedoch unser Vertrauen in höchstem Maße missbraucht."
Seine Schwulenhetze war nur Onyszkos jüngster Aussetzer. Dass er keine lupenreine Vergangenheit hat, war zeitweise nicht zu übersehen. Er musste in den ersten Punktspielen der Saison eine elektronische Fußschelle tragen, mit der sein Aufenthaltsort überwacht werden konnte. Das war Teil einer teilweise zur Bewährung ausgesetzten dreimonatigen Haftstrafe. Zu der war der Keeper wegen Misshandlung und Körperverletzung seiner Exfrau verurteilt worden.
Sein damaliger Klub Odense BK hatte ihm daraufhin gekündigt. Dass er bei Midtjylland auf Bewährung spielte, hatte der Verein ihm klargemacht. Vom Buchprojekt hatten sie ihrem Torwart dringend abgeraten und waren offenbar hinters Licht geführt worden. "Er vermittelte dem Klub den Eindruck, dieses Projekt sei gestorben", so der Klub.
Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen der diskriminierenden Äußerungen gegen den Exnationaltorwart. Die dänische Fußballergewerkschaft "Spillerforeningen" will erst nach Lektüre des Buches offiziell Stellung nehmen. "Meine Grenzen hat das aber überschritten", sagt Vorsitzender Thomas Lindrup: "Fußballspieler sind Vorbilder. Wenn man schon kontroverse Meinungen zu Schwulen hat, soll man die wenigstens für sich behalten."
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert