Hohe Radioaktivitätswerte um Atomruine: Aufatmen wegen Tschernobyl

Die erhöhten Strahlenwerte um das havarierte AKW waren ein Fehlalarm. Ukrainische Umweltgruppen kritisieren die Informationspolitik der Atombehörden.

Ein Hund steht neben einem Schild "Radioaktivität"

Ein Hund in der verlassenen Stadt Pripyat bei Tschernobyl Foto: Gleb Garanich/reuters

KIEW taz | Um bis zu 600 Mal über den Werten der Vortage hatten am 17. und 18. November in der „Zone“ um Tschernobyl die Radioaktivitätswerte gelegen, berichtet die Umweltgruppe „Save Dnipro“ am Mittwoch unter Berufung auf Meßergebnisse des staatlichen Automated radiation monitoring systems (Arms). „Save Dnipro“ vermutete einen Zusammenhang zu einem „historischen Ereignis“ des 18. November: Erstmalig wurde an diesem Tag hochradioaktiver Müll der 1986 havarierten Tschernobyl-Reaktoren in ein neues Endlager gebracht.

Alles Unsinn, konterten die staatlichen Behörden. Gleichzeitig räumten sie ein, dass tatsächlich derartige Werte gemessen worden sind. An diesen Tagen habe man die Radioaktivitätsfühler getestet, erklärte Maxim Schewtschuk, stellvertretender Chef der geschlossenen „Zone“ um Tschernobyl, dem Portal ua-energy.org. Da diese in einer Höhe von vier Metern installiert seien, könne man sie nicht vor Ort testen. Man habe sie in ein Testlabor verbracht und dort hohen Radioaktivitätsbelastungen ausgesetzt. Während der Tests seien die Fühler jedoch „online“ geblieben.

Die ukrainische Umweltbewegung glaubt diesen Erklärungen. „Die Schwierigkeit ist jedoch“, so Olexi Pasyuk, stellvertretender Vorsitzender der Umweltorganisation „Ökodia“, zur taz, „dass diese Erklärungen erst gegeben worden sind, nachdem sich eine gewisse Panik breit gemacht hatte. Derartige Informationen müssen rechtzeitig, idealerweise vor Testbeginn gegeben werden“.

Auf Facebook fragt die Journalistin Maria Leleka die für die Tschernobyl-Zone zuständige Behörde, wie man sich erhöhte Meßwerte auch nach dem 19. November erklären könne.

Bisher, so die Journalistin Sweta Gudkowa im Portal apostrophe.ua, habe Leleka keine Antwort erhalten. „Was wirklich in Tschernobyl passiert ist“ so Gudkowa, „ist derzeit nicht vollständig bekannt.“

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