: Hoffnung für Westsahara
■ Marokko und Polisario wollen den Friedensprozeß wieder voranbringen
Madrid (taz) – Der UN-Sonderbeauftragte für die Westsahara, der ehemalige US-Außenminister James Baker, kann nach den am Donnerstag abend in London zu Ende gegangenen zweitägigen Sondierungsgesprächen mit allen Beteiligten einen ersten Erfolg aufweisen: Marokko und die Befreiungsbewegung Frente Polisario, die beide die ehemalige spanische Kolonie an Afrikas Nordwestküste für sich beanspruchen, werden am 23. Juni in Lissabon direkte Gespräche aufnehmen.
Dieser Termin sei „die letzte Möglichkeit, um den Friedensplan umzusetzen“, warnte Baker. Seine Vermittlertätigkeit war notwendig geworden, nachdem im Mai 1996 die von der UNO beaufsichtigten Vorbereitungen einer Volksabstimmung über die Zukunft der seit 1976 von Marokko besetzten Westsahara ins Stocken gerieten und die Polisario mit einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen drohte. Die beiden Konfliktparteien waren sich nicht darüber einig geworden, wer an dem geplanten Referendum teilnehmen soll. Die letzte Zählung der sahraouischen Bevölkerung – noch von den spanischen Kolonialherren durchgeführt – erbrachte 1975 74.000 Familienoberhäupter. Die Erhebung neuerer Daten scheiterte an Marokko. König Hassan II. ließ dann in einem ersten Schub über 180.000 Menschen einschreiben – viele von ihnen zugezogene Marokkaner. Die Polisario sieht darin einen Versuch, den Ausgang der Volksabstimmung zugunsten eines Verbleibs der Westsahara bei Marokko zu beeinflussen. Sie geht von rund 300.000 Sahraouis aus – rund 200.000 in den algerischen Lagern, der Rest im Land selbst.
In London machte Marokko erstmals Zugeständnisse: Um den Friedensprozeß wieder in Gang zu bringen, sollen 50.000 bis 60.000 umstrittene Einschreibeanträge ins Wahlregister zurückgezogen werden. Die Polisario hat ihrerseits schon vor einem Monat als Beweis ihrer Verhandlungswillens 85 von insgesamt 2.000 gefangenen marokkanischen Soldaten freigelassen. Reiner Wandler
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