: Heute vor 50 Jahren starb Walerjan Wróbel
■ Verein will Zwangsarbeit dokumentieren
Heute vor genau 50 Jahren, am 25. August 1942 um 6.15 Uhr, wurde der 17jährige polnische Zwangsarbeiter Walerjan Wróbel in Bremen ermordet. Aus Heimweh und in der Hoffnung, deshalb zur Strafe nach Hause geschickt zu werden, hatte er eine Scheune angezündet. Die Bremer Justiz verurteilte den Jungen daraufhin als „Volksschädling“ zum Tode.
Die Pastoren Hans-Günther Sanders und Hartmut Drewes, Mitarbeiter des „Vereins Walerjan Wróbel — Verein Zwangsarbeit e.V.“, erinnerten gestern an dieses Schicksal. Zwischen 35.000 und 95.000 Menschen mußten während des 2. Weltkriegs in über 150 Lagern in Bremen Zwangsarbeit leisten. Kaum jemand von ihnen wurde je entschädigt. Damit diese Unrechtsgeschichte nicht in Vergessenheit gerät und um den überlebenden „in bescheidenem Maße zu helfen“, hatte sich 1991 der Verein Walerjan Wróbel gegründet. So wird mit Unterstützung des Senats ehemaligen Zwangsarbeitern eine Rückkehr nach Bremen ermöglicht. „Jetzt kann ich das Buch meines Lebens abschließen und in Ruhe sterben“, zitiert Pastor Sanders den bewegenden Kommentar einer überlebenden Zwangsarbeiterin aus Kasachstan während ihres Bremen-Besuchs. Ein ehemaliger sowjetischer Botschaftsrat versucht jetzt für den Verein von Moskau aus die überlebenden Bremer Zwangsarbeiter aufzufinden.
In Bremen will der Verein versuchen, eine Dokumentationsstätte aufzubauen. Alle BremerInnen sind aufgerufen, dem Staatsarchiv oder dem Verein Dokumente zur Verfügung zu stellen. Beispiele solcher Dokumente wurden gestern präsentiert: Das Wörterbuch einer russischen Zwangsarbeiterin, die versucht, den Satz „die Blume duftet“ ins Deutsche zu übersetzen. Das offizielle deutsche Lager-Wörterbuch kennt sowas nicht. Da stehen nur Befehle der Lagerleitung wie: „Geben Sie mir Frühstück, aber schnell!“ F.B.
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