Hessens Spitzengrüner: Es lockt Berlin

Tarek Al-Wazir lässt sich von den Bündnisgrünen auf Bundesebene in den Bundestag bitten. Özdemir schimpft auf Koch, nimmt aber seine Rücktrittsforderung nur einmal in den Mund.

Blumen von den Chefs für ihren erfolgreichsten Landesableger aller Zeiten. Bild: dpa

BERLIN taz Möglicherweise ist eine Botschaft des hessischen Grünen-Rekordergebnisses von 13,7 Prozent, dass konsequente Personalisierung - also die Zuspitzung des Wahlkampfes auf eine einzige Person - sich lohnt. Dies meinen jedenfalls viele Hessen-Grüne. Al-Wazir war und ist das Gesicht des Landesverbands, seine Zustimmungswerte waren zuletzt besser als die aller anderen hessischen Politiker.

Die Bundesspitze der Grünen sah dies am Montag aber offensichtlich nicht so. Da drängelten sich in der Berliner Parteizentrale die beiden Parteichefs Claudia Roth und Cem Özdemir sowie die Bundestagswahl-Spitzenkandidaten Renate Künast und Jürgen Trittin, um ihre Freude über die 13,7 Prozent zu bekunden. Dem aus Wiesbaden kurz angereisten Al-Wazir allerdings überließen sie es zu erklären, dass in Sachen Personalisierung "Hessen kein Vorbild für den Bund sein muss", wie er sagte.

Offen ist bloß, ob Al-Wazir den Hessen-Grünen erhalten bleibt. Parteichef Özdemir und der hessische Abgeordnete Omid Nouripour haben ihn - sicher nicht gegen seinen Willen - öffentlich dazu aufgefordert, für den Bundestag zu kandidieren. Die jetzt 17-köpfige Landtagsfraktion stünde dann wieder ohne ihr Zugpferd da. Acht Mandate haben die Grünen hinzugewonnen. Vier davon gehen an Leute, die ihr Mandat erst bei der Wahl im Januar 2008 verloren hatten. Nur vier weitere Grüne sind wirklich neu im Landtag.

Özdemir zog aus dem besten Flächenland-Ergebnis aller Zeiten die Lehre, dass "Themendisziplin" sich auszahle. Zur Bundestagswahl werde also Ökologie ganz vorn anstehen, und dann komme natürlich Bildung. Da Bildung wegen Länderzuständigkeit kein echtes Bundestagswahlthema ist, bleibt demnach Ökologie übrig.

Morgens hatte Özdemir Roland Koch im Radio zum Rücktritt aufgefordert. Mittags wollte er dies aber schon nicht mehr so konkret wiederholen. Seine grünen Co-Spitzen hatten offenbar abgeraten, eine derartig aussichtslose Angelegenheit zu verfolgen. Nunmehr sprach Özdemir lediglich davon, dass Koch "da, wo andere eine Hose haben, eine große Portion Pattex hat".

Jürgen Trittin warnte CDU und FDP davor, sich nun als "bürgerliches Lager" allzu bestärkt zu fühlen. Er könne sich an keine Bundestagswahl in jüngerer Zeit erinnern, "wo es im Januar nicht nach Schwarz-Gelb aussah" - dann aber anders gekommen sei.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de